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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 6 · p. 253

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 6
Article
Das Interesse der deutschen Sozialisten am Zionismus
Date
1918-01-01
Page
253 (sequence 3)
Language
German
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Das Interesse der deutschen Sozialisten am Zionismus *53 gestellt wird. Wir wissen, daß sie in der Vergangenheit* in der Gegenwart und, wenn nicht eingegriffen wird, auch in der Zukunft rettungslos den ärgsten Demütigungen und den schlimmsten Peinigungen ausgesetzt sind, und grade als Sozialisten sollten wir deshalb in unserm menschenbrüderlichen Gefühl in ihnen auch uns verletzt, beleidigt und geschädigt fühlen und sollten alles tun, was in unsrer Macht steht, um dieses Elend einigermaßen zu lindern. Dazu genügt natürlich nicht, daß politische Vorkehrungen getroffen werden, durch die den dort neu entstehnden Reichen eine gewisse Duldsamkeit gegen das Judentum aufgezwungen wird, sondern dazu ist es nötig, sich einmal in den Geist der nationalen Bewegung im Judentum ganz hineinzuversetzen, ihn recht verstehn und richtig würdigen zu lernen und auf diese Weise erst zu erfahren, worauf es eigentlich ankommt, an welcher Stelle der Hebel angesetzt werden muß, um nicht nur vorübergehend Erleichterungen mäßigen Grads, sondern dauernde Abhilfe der schweren Schäden zu schaffen; mit andern Worten: es ist nötig, daß der deutsche Sozialist sich einmal mit dem vertraut macht, was der Zionismus eigentlich will, nicht nur mit dem äußerlich greifbaren Ziel, das er verficht, sondern auch mit der Gedankenwelt, die dem Streben nach diesem Ziel zugrunde liegt; wenn das nicht geschieht, so sind allerlei menschenfreundliche Einzelleistungen zu erwarten, aber keine wirkliche, dauernde Hilfe. n. Es, erhebt sich nun freilich die große Schwierigkeit, wie der Sozialist sich zu den Theorien des Zionismus stellen soll. Diese Schwierigkeiten liegen zum Teil in den Theorien des Zionismus selbst, die noch durchaus nicht klar formuliert sind; im Zionismus laufen viele philosophische, politische, wirtschaftliche und ästhetische Strömungen kunterbunt durcheinander, und dem, der gleichgültig zuschaut, könnte es beinah scheinen, als handle es sich überhaupt um eine Bewegung, an der nicht viel Klares sei. Solche Kritik muß aber von vornherein abgelehnt werden; sie ist unfruchtbar; sie hängt sich an Äußerlichkeiten, sie beschäftigt sich nicht mit der Tatsache, daß hinter diesem theoretischen Durcheinander doch eine große, einheitliche und praktisch auch zielbewußte Bewegung steht, eine Bewegung, der zahllose Idealisten ihre beste Kraft opfern, und die, wie man wohl sagen darf, an den Stellen, an denen sie sich auch nur einigermaßen frei entfalten konnte, immerhin schon recht ansehnliche Erfolge aufzuweisen hat. Formal recht behalten gegenüber einer solchen Bewegung kann jede äußerliche, unfruchtbare Kritik leicht, aber sie lädt sich doch gleichzeitig die Schuld auf, dem eigentlichen wertvollen Kern der Bewegung grade in ihrer „Objektivität" fremd geblieben zu sein und dadurch hoffnungsvolle Ansätze im Keim erstickt zu haben. Die andre Schwierigkeit liegt darin, daß der Sozialismus weder in einem andern Land, noch in Deutschland selbst über eine klare Theorie verfügt; grade deshalb ist es so unberechtigt, daß Sozialisten am Zionismus eine unfreundschaftliche Kritik üben, weil alles das, was über die Unklarheit der zionistischen Theorien vorgebracht werden kann, mit genau demselben Recht auch von der sozialistischen Theorie gesagt werden darf. Genau wie im Zionismus hat auch im Sozialismus der einzelne Theoretiker ein klares, geschloßnes und im ganzen ziemlich widerspruchfreies System, genau wie im Zionismus stehn auch im Sozialismus gewaltige Volksmassen zur Verfechtung der gleichen praktischen Gegenwartsziele und zur Erkämpfung desselben gesellschaftlichen Zukunftsideals

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