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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Altes und junges Judentum
Date
1918-01-01
Page
215 (sequence 5)
Language
German
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Altes und junges Judentum 215 tum selber. Wenn sich auch die Orthodoxie deutscher Observanz zumeist mit Händen und Füßen dagegen sträubt, etwas für die Erhaltung der jüdischen „Nation** zu tun, und alles, was sie tut, nur der „Religionsgemeinschaft" zugute kommen lassen will, so steht doch außer Frage, daß die Ausübung der Lehre die gleiche arterhaltende Wirkung hat wie ihr Studium, das ja eben nur zur Erleichterung der Ausführung angestellt wird — wenn nicht eine noch größere Bedeutung. „Ein gesetzestreuer Jude — so sagte mir einmal einer der größeren Rabbiner Deutschlands — tut mehr für die Erhaltung des jüdischen Volkes als zehn andre. Es kommt nicht darauf an, welche Wirkung er sich von seiner gesetzestreuen Lebensweise erhofft, sondern welche er tatsächlich damit ausübt.** Freilich wollen wir auch hier nicht vergessen, wieviel Kleinlichkeit bei den Gesetzestreuen zuhause ist; wie oft die Befolgung der Gebote nicht der Aufopferung, sondern der Bequemlichkeit in irgendeiner Form entspringt; wie lähmend die Schematisierung jedes Gefühls zuweilen auf die Seele wirkt, wie man wohl auch durch das Messen der kleinsten Dinge an den höchsten Werten gelegentlich die letzteren herabzieht, anstatt die ersteren zu erhöhen; aber täuschen wir uns auch nicht darüber, daß hinter all den Zäunen und Hürden doch noch ein lebensfähiger Organismus existiert, zu dessen Schutz eben diese Zäune errichtet worden sind; daß hier, um einmal deutsch zu reden, hinter stacheligen Hecken ein schlafendes Dornröschen des prinzlichen Erlösers harrt. „Wenn ich auch schlafe, so ist doch mein Herz wach**, sagt Sulamit-Israel. 6. Das junge Judentum kann denen, die ihm folgen, nichts Gleichartiges bieten. Es sucht und hat seine Lebensform noch nicht gefunden; es hat seinen Typ noch nicht ausgebildet. So kommt es wohl auch, daß sich so wenige aus der gesetzestreu erzogenen Jugend, selbst wenn sie sich dieser entwachsen glauben, zu den jungjüdischen Kreisen hingezogen fühlen, weil sie zuhause ein viel stärkeres, konsequenteres Beispiel als nachahmenswert vor Augen sehen. Das junge Judentum ist glücklich so weit, seine alte Welt, seine fremde Welt in Trümmer geschlagen zu haben, und jetzt steht es vor dem Chaos und kann es nicht meistern. Wandelt das alte Judentum sorglich in den Spuren der Väter, so will das junge sich selbst erziehen, sich selbst den Weg bahnen, es ist zu stolz, das Ererbte ohne weiteres als sicheren Besitz hinzunehmen, und wohl auch zu kritisch; lieber will es zehn Jahre darum kämpfen, als es wie jener Heide vor Hillel, auf einem Beine stehend, in wenigen Augenblicken fertig aufnehmen. — So sind die Konsequenten unter seinen Anhängern, oder besser: unter seinen Voiaufgängern; die Menge aber begehrt die Sterne nicht, sondern begnügt sich, sich ihrer Pracht zu freuen, zufrieden lächelnd, mühelos; es macht sich nicht die Arbeit, die Distanz zu ermessen, die zwischen ihr und den Sternen klafft, die Distanz zwischen ihrem Leben und jüdischem Leben. Nur ein Beispiel unter vielen sei hier herausgegriffen; nicht, weil es so viel krasser und schmerzlicher wäre als die übrigen, sondern weil es besonders lehrreich scheint — das K. J. V. Gründungszweck und Ziel dieses Kartells jüdischer Verbindungen war, wie in dem Geleitwort zum i. Heft seiner neuen Zeitschrift „Der jüdische Wille** zu lesen steht, »die Erneuerung des jüdischen Menschen und seine innere Umgestaltung**.---- »Das Bild dieses neuen Typs trägt jeder von uns irgendwie in sich.** Aber wie trägt jeder es in sich? Was für ein Typ des neuen jüdischen Menschen steht ihm als Ideal vor Augen? Der deutsche Waffenstudent! Junge Akade- 16*

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