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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Altes und junges Judentum
Date
1918-01-01
Page
213 (sequence 3)
Language
German
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Altes und junges Judentum 213 Trümmern eine neue zu errichten, und kann gar nicht genug aktuelle Energien aus sich hervorbringen und an sich heranlocken. 4- Auf zwei Säulen steht die Erziehung zum Judentum: auf Torah und Abodah, auf der Lehre und dem werktätigen Dienst, auf der theoretischen Unterweisung und dem praktischen Beispiel. Die Torah ist nicht nur das Merkmal, das den Juden von andern Völkern unterscheidet, sondern sie ist es auch, die ihn über alle Völker hinaus erhebt. „Warum gab denn Gott nicht allen Völkern die Lehre?" fragt der Kusari den Meister. „Man könnte ebenso gut fragen: ,Warum sind nicht alle Lebewesen mit Vernunft begabt?'" antwortet jener. Und diese Lehre, zu der sich die gesamte jüdische Literatur der folgenden Jahrhunderte hat in Beziehung setzen müssen, diese Lehre hat Israel bis heute am Leben erhalten; von dem Tage an, da unsere Weisen nach Jabneh zogen, indes in Jerusalem der letzte erbitterte Waffenkampf gegen Rom geführt wurde, von diesem Tage an, da durch die Torah wirklich „ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt" wurde, bis in unsere Zeit der Chadarim, von denen Bialik sagt: „Gelüstet's dich, die feste Burg zu schauen, Wo deine Väter zu erretten suchten Der Seele höchste Güter, ihre Lehre, Ihr Allerheiligstes — und es gelang! . . . Willst das Versteck du wissen, wo gehütet In seiner Reinheit deines Volkes Geist, Wo er, der Mächtige, verborgen liegt? Der, ist er auch an äußrer Schande reich, Im Alter nicht der Jugend Kraft verloren . . * Ach, armer Bruder! wenn du dies nicht weißt, So geh ins Lehrhaus, in das altgewohnte. Dann sagt das Herz dir, daß dein Fuß erhoben* Die Schwelle unsres wahren Lebenshauses Zu überschreiten, und dein Auge schaut Die Kammer, voll der Schätze unsrer Seele..."*) — von jenen Tagen bis in unsere war die Torah (in ihrem weitesten Sinne) Hüterin unseres jüdischen Daseins; wir glaubten, Gott zu dienen, wenn wir uns mit ihr beschäftigten, und haben doch dabei uns selber gedient; nicht „lischmoh", nicht „um ihretwillen" lernten wir sie, sondern „lischmenu", um unsertwillen; indem wir sie schützten, hat sie uns geschützt. Dieses innige Wechselverhältnis kann wirklich kaum besser wiedergegeben werden, als durch die Worte des Schir haschirim — mag man dieses sonst „symbolisch" auffassen oder nicht —: »»Ich gehöre meinem Liebsten, und mein Liebster gehört mir". Es braucht kaum erörtert zu werden, auf welcher Seite in diesem Punkte das Übergewicht besteht. Das gesetzestreue Judentum mußte einfach lernen; wie sollte sich wohl sonst ein Gemeinwesen, in dem der „Seelsorger" noch eine junge Erfindung ist, in all den verzwickten Fragen von Jüdisch und Unjüdisch, *) Diese Verse sind aus dem Gedicht „Im jesch et nafschcha ladaat" übertragen. H«ftS 16

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