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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5 · p. 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 5
Article
Zum Problem des wirtschaftlichen Antriebs
Date
1918-01-01
Page
209 (sequence 8)
Language
German
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Zum Problem des wirtschaftlichen Antriebs 209 schütterungen vermag sich ein neuer wahrhaft schöpferischer Wille neue Wege zu bahnen. Darum gilt es, die Sicherheit zu vernichten und die geladene Atmosphäre zu schaffen, aus welcher der Funke des tiefen Willens zucken kann. Und nun frage ich wieder: vermag hier Willensaufklärung etwas? Es gibt eine große, göttliche Art der Willensaufklärung, an deren Wirksamkeit nicht zu zweifeln ist: die P r o p h e t i e. Die himmlische, willensaufrichtende Urkraft des prophetischen Wortes wirkt wahrhaft umwälzend und umschaffend. Doch die Prophetie hat einen großen Nachteil: man kann sie nicht direkt durch den Willen hervorzaubern. Sie ist ja selbst der Funke; sie ist das Wunder, das wir sehnend erhoffen. Aber sie liegt nicht in der Macht unseres flachen Wollens. Dem ist nur ein anderes, schwächeres Mittel gegeben; es ist die stetige, unmerkliche Einwirkung der kleinen Erwecker und Mahner, der ehrlich begeisterten und rechtschaffen gefühlten Reden, Aufsätze und Debatten; es ist die — Predigt im weitesten Sinne. Das prophetische Wort verhält sich zu dieser Predigt wie unser tiefes, umwälzendes, naturgewordenes Wollen aus dem Ganzen, das „große" Wollen zum „kleinen", oberflächlichen, rationalen Wollen, das nicht durchgreifend genug ist, um die Natur umschaffen zu können. Wohl ist einem jeden die Möglichkeit gegeben, „tief" zu wollen; aber beinahe keiner nimmt Wagnis, Opfer und Anspannung auf sich; d.h. beinahe keiner — will eben „tief", und dann bleibt nur der flache Wille. Wie es aber sündhaft ist, den kleinen Willen zu verachten — und überhaupt nicht zu wollen, und ebenso sündhaft, den kleinen Willen als erlösend zu empfinden und sich damit zufrieden zu geben — ebenso verhält es sich mit dieser Art willenslogischer Einwirkung. Sie schafft keinen neuen Willen, aber sie vermag mit ihren unermüdlichen Stößen die Sicherheit des falschen Willens zu erschüttern. Und da an seine Stelle nichts tritt als Ohnmacht und Leere, schafft sie Raum für die Verzweiflung. Und so entsteht jene Verbindung von kleinem Wollen und Verzweiflung, welche die Atmosphäre lädt, aus der das neue Willensfeuer geboren werden kann. In dieser Wirksamkeit hat nun die willenslogische Predigt einen großen Vorteil vor der Moralpredigt im gewöhnlichen Sinne. Denn diese sagt: Du sollst! jene aber: Du willst ja! Die Moralpredigt sucht mit Worten eine neue, fremde Willensrichtung zu erzeugen, die willenslogische aber sucht die Verkehrtheit, die Geknicktheit einer bereits vorhandenen Willensrichtung aufzuzeigen. Das scheint mir aber eine weit glücklichere Angriffsmöglichkeit zu sein. Denn gegen die „Du sollst"-Predigt gibt es ja das furchtbar natürliche Argument: „Warum soll ich denn? Was vermag ein Sollen gegen mein Wollen?" Mit der „Du willst ja"-Predigt aber sucht man den irre-gewachsenen Willen von innen heraus zu sprengen. Und der Weg, den man ihm weist, ist ja sein eigener. Nun aber könnte man fragen: Steckt in dieser willenslogischen Predigt, die den Willen zu sich selbst führen will, ihm also im Grunde recht gibt, ihm nur den Weg zeigt, nicht eine große Gefahr? Ist dieses Freimachen des Weges nicht für die Geburt des tiefen Willens, des Willensfeuers von Nachteil? Nur

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