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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 4 · p. 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
Date
1918-01-01
Page
162 (sequence 16)
Language
German
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IRI
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IÖ2 Fritz Sternberg: Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus fast die Hälfte des palästinensischen Bodens gerade für Plantagen geeignet ist). Trotzdem ist, wie ein einfaches Rechenexempel zeigt, für absehbare Zeiten ausgeschlossen, daß die jüdischen Getreidekolonien die städtische jüdische Bevölkerung mit ernähren können. In Deutschland ist das Verhältnis der landwirtschaftlichen zur Gesamtbevölkerung ungefähr wie i zu 4. Und obwohl die Landwirtschaft in Deutschland auf einer doch ungemein höheren Stufe steht als die in Palästina, ist es — der Krieg hat dies allzu deutlich gezeigt — der landwirtschaftlichen Bevölkerung kaum möglich gewesen, die städtische zu erhalten. In Palästina, dessen landwirtschaftliche Kultur augenblicklich einen Vergleich mit der deutschen gar nicht wagen darf, ist aber das Verhältnis der jüdischen landwirtschaftlichen zur städtischen Bevölkerung wie 1 zu 10, und wenn sie die Getreidekolonien in Betracht ziehen, wie 1 zu 25, und es bedarf jedenfalls langer Zeiträume, um dieses Verhältnis zu ändern. So ist wohl unsere Behauptung erwiesen, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas für absehbare Zeit auf Zufuhr von Lebensmitteln angewiesen ist und diese am billigsten von den umliegenden Fellachendörfern erhält. Dazu kommt ein zweites. Wir sprachen bereits mehrere Male von den industriellen Entwicklungsmöglichkeiten des Landes und betonten, daß bei der mangelnden Konkurrenz- und dazu Exportfähigkeit der palästinensischen Industrie eine kaufkräftige einheimische Bevölkerung von größter Wichtigkeit ist. Es ist also das ureigenste Interesse der Juden, die einheimische Wirtschaft zu stärken, da sonst ihre eigenen industriellen Möglichkeiten sehr stark beschnitten werden. Ein starker kaufkräftiger Inlandsmarkt ist in jedem Falle wichtig; auch das haben wir im Kriege sehr deutlich erfahren. Für das Gedeihen der palästinensischen Wirtschaft ist es unbedingt notwendig, daß sie sich einen starken Absatz im eigenen Lande schafft, so daß die industrielle jüdische Bevölkerung nicht in den notwendigsten Bedürfnissen vom Weltmarkte abhängig bleibt, sondern nur in ihrem „Komfort" oder den Bedürfnissen geringeren „Grenznutzens", die wenigstens zeitweise vernachlässigt werden können. Aus diesen Gründen, um sie noch einmal zu resümieren: denen der Politik, der mangelnden eigenen Getreideherstellung, des Absatzgebietes für die eigene Industrie, sind jüdische und arabische Wirtschaft auf das engste miteinander verknüpft, jüdische Wirtschaft an dem Gedeihen und der Weiterentwicklung arabischer Wirtschaft denkbar^stark interessiert. Auch hier ist einer der Punkte, wo sich die Europäisierung durch die Juden im Gegensatz zu jeder bisherigen Europäisierung im Orient stellt; und hier ist der Gegensatz insbesondere darin begründet, daß die Juden, die Träger der Europäisierung, nicht aus der Ferne das Land beeinflussen, nicht in geringer Anzahl in das Land zu kommen gedenken, sondern in großer Zahl wirtschaftlich und geistig ihr Schicksal mit dem ganz Palästinas identifizieren. Eine araberfreundliche jüdische Politik beruht also nicht auf der „Einsicht" irgendeines Leiters des jüdischen Kolonisationswerks oder auf dem Wirken einer jüdischen Organisation, sondern auf den vitalsten jüdischen Interessen, und nur sie allein wird den Ideen des Zionismus gerecht, dem nichts ferner liegt, als eine Vergewaltigung fremder Volkswirtschaften, als Errichtung eines neuen kapitalistischen Wirtschaftswesens. Sollte es den Juden gelingen, im friedlichen Zusammenarbeiten mit den Arabern die orientalische Wirtschaft zu europäisieren, so würde dieser Vorgang

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