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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 4 · p. 163

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
Date
1918-01-01
Page
163 (sequence 17)
Language
German
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Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 163 — auch rein wirtschaftlich — einen Wendepunkt in der Geschichte der Juden, ja ein völliges Novum bedeuten. Werner Sombart hat einmal gesagt: „Wie die Sonne geht Israel über Europa, wo es hinkommt, sprießt neues Leben hervor. Von wo es wegzieht, da vermodert alles, was bisher geblüht hat." Wir schließen uns mehr Oppenheimers Ansicht an, der — in Übereinstimmung mit Brentano — meinte: wo der Kapitalismus aufblüht, da kommen die Juden hin. In jedem Falle jedoch kann man wohl mit Kaplun-Kogan behaupten, daß die Juden im Mittelalter in den Ländern, denen sie sich zuwandten, Vertreter einer höheren wirtschaftlichen Entwicklung waren. In der Neuzeit hat sich dieses Verhältnis gewandelt; weder in Amerika noch in Deutschland sind die Ostjuden — die Hauptvertreter des neuen jüdischen Werdens — willkommene Gäste, da sie eine niedere ökonomische Wirtschaftsstufe verkörpern. Eine Verwirklichung des Zionismus im Heiligen Lande, eine größere jüdische Einwanderung nach Palästina würde rein äußerlich den jüdischen Wanderungen im Mittelalter analog zu sein scheinen, aber doch welch bedeutsame Unterschiede. Damals die Juden Vertreter des Frühkapitalismus, die in geringer Zahl das wirtschaftliche Leben der Völker, zu denen sie kamen, beeinflußten. Heute ist es der Wille des jüdischen Volkes, ein Fleckchen auf der Erde sein eigen zu nennen, dessen Geschicke es bestimmt, da es die Majorität der Bevölkerung ausmacht. Damals: die Juden Fremde, Halbbürger in den Ländern, in denen sie verweilten, daher keine Verwachsenheit mit dem Boden, den Menschen, nur der Erwerbstrieb das bestimmende Moment für das Verhältnis zur Außenwelt. In Palästina: das eigene Land, in dem die Ahnen gewohnt, das Heilige Land, in dem der fromme Jude seine letzte Ruhestätte finden will. Daher die innere Verknüpftheit, der Anteil an allen Geschehnissen, die es betreffen, der Wille dort und nur dort das Leben zu gestalten. „Alle echte Tat ist eines Liebenden Tat. Alle echte Tat kommt aus der Berührung mit einem geliebten Ding und endet im All." Wenn dieses Wort Bubers das jüdische Kolonisationswerk bestimmt, dann gibt es für dieses keine realen Hindernisse, dann wird es uns bringen, was wir in unseren Träumen geschaut, eine Erneuerung des Judentums. Breslau Fritz Sternberg AUS DEM RELIGIÖSEN LEBEN DER OST JUDEN III. Ehe 3. Hochzeit Schon etwa zwei Wochen vor dem Hochzeitstage werden Braut und Bräutigam mit den rituellen Vorschriften des ehelichen Beisammenseins von Eltern oder nahen Verwandten vertraut gemacht. Der Bräutigam bekommt sehr oft zum Studium das hebräisch verfaßte Kompendium „Chupat chatanim" (von Rafael Meldola aus Livorno, lebte gegen Anfang des 18. Jahrhunderts) und die Braut erhält Belehrung von der Mutter oder aus dem jiddisch geschriebenen Buche „Majan tahor" (von Moses Teitelbaum aus Ujhely). Die Vorschriften, die Braut und Bräutigam kennen müssen, enthalten die Bestimmungen nach Talmud und Heft 4 12

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