Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 161 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus jöi die mangelnde Besiedelung schon kurze Zeit nach dem Kriege schwinden dürften*). Zusammenfassend wollen wir bemerken, daß sich der Weiterausbau der jüdischen Pflanzungskolonien — das sind 3/4 des gesamten jüdischen Koloniebestandes — wohl auch weiterhin ohne Differenzen mit den Arabern vollziehen wird, daß der der Getreidekolonien jedoch ernste Reibungsflächen in sich birgt, die unserer Ansicht nach die Organisation durch Intensivierung bzw. Verpflanzung der arabischen Wirtschaft beseitigen kann. 10. Nach dem bisherigen Vorgehen Dr. Ruppins kann man annehmen, daß bei jedem weiteren Landaufkauf von den Arabern er in dem von uns skizzierten Sinne wirken wird. Man könnte dagegen einwenden: „Das ist alles ganz schön und richtig und es mag auch sein, daß der Leiter der jüdischen Kolonisation sich seiner Verantwortung gegenüber der einheimischen Bevölkerung bewußt gewesen ist, seine Maßnahmen danach getroffen hat — jedoch die Kolonisation war bisher im Verhältnis recht klein, daher leicht zu übersehen. Wer gibt die Gewähr, daß auch in fernerer Zeit, wenn sie bedeutend größer geworden ist, die jüdische Politik gegenüber den Arabern von demselben Gedanken getragen sein wird: Erweiterungen jüdischer Positionen unter gleichzeitiger Weiterentwicklung arabischer Wirtschaft?" Die Gewähr hierfür kann naturgemäß nicht in dem Wirken eines Mannes, nicht einmal in dem Wirken einer Organisation liegen, mag ihr Einfluß auch noch so weitreichend sein, sondern allein in objektiven Tatbeständen. Sind diese nun in Palästina gegeben? Wir glauben diese Frage bejahen zu können aus Gründen politischer und wirtschaftlicher Natur. Zunächst politisch: da dürfen wir nicht vergessen, daß die Juden bislang mit etwa 100—120000 Seelen unter 700000 Einwohnern höchstens1^ der Bevölkerung ausmachten, und daß — ohne prophezeien zu wollen — große Zeiträume vergehen müssen, ehe ihre Zahl die der Araber erreichen kann. Sie sind eine Minorität, und zwar eine Minorität in einem orientalischen Lande, einem Lande, dessen Bewohner auf völlig anderer Kulturstufe stehen, weit heißblütiger sind als z. B. Mitteleuropäer. Jede starke Expropriation (ohne Neuansiedlung) würde — wie die Verhältnisse in Galiläa gelehrt haben — großen Haß hervorrufen und sich im Orient nicht bloß ideologisch zeigen — nicht nur wirtschaftlich, z. B. im Boykott, äußern, sondern leicht durch Agitation von Panarabisten zu offenem Kampfe führen. Das ganze jüdische Kolonisationswerk wäre damit in Frage gestellt. Schon diese Tatsache dürfte genügen, um jedem Leiter eines jüdischen Kolonisationswerkes, jeder größeren Organisation eine araberfreundliche Politik geradezu aufzuzwingen. Dazu kommen aber noch Gründe wirtschaftlicher Natur von ebenso entscheidender Bedeutung. Von den 120000 Juden lebten nur io°/0 in den Kolonien, etwa 3000 vom Getreideanbau, also ein verschwindend geringer Prozentsatz. Wir wollen einmal annehmen, daß die außerökonomischen Faktoren — also die Faktoren, die das gesamte jüdische Kolonisationswerk aufgebaut haben — die Entwicklung dahingehend beeinflussen werden, daß der Getreidebau sehr stark im Verhältnis zu den anderen Kulturen zunehmen sollte (die Entwicklung findet schon darin eine Hemmung, daß, wie erwähnt, *) Andererseits würde naturgemäß die Rentabilität der Eisenbahn bei einer größeren wirtschaftlichen Ausnutzung des Ostjordanlandes stark steigen.