Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 160 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101137-3101142-3103399--2463-3103430- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i6o Fritz Sternberg: kunft bei Neuerwerbungen zumeist um von den Arabern wenig ausgenützten Pflanzungsboden handelt, und zeigen fernerhin, wie bei der Frage des Ausbaus der jüdischen Getreidekolonien eine Expropriation der Araber vermieden werden kann. Die Fellachen müssen vor jedem Verkauf zur intensiven Wirtschaft erzogen werden, so daß sie von dem ihnen übrigbleibenden Lande leben können, und zugleich eben den Kaufschilling für das verkaufte Stück Land besitzen; es ist dies eine Forderung, die bei einer Kolonisation durch Private naturgemäß unmöglich wäre, der sich jedoch die zionistische Organisation nicht entziehen kann und auch nicht entziehen will: die Worte ihres Leiters in Palästina bestätigen dies deutlich. Aber auch mit einer Intensivierung sind noch nicht alle Fragen gelöst. Die jüdische Kolonisation Palästinas sucht sich möglichst auf bestimmte Gebiete zu konzentrieren. Ruppin führte darüber aus: ,,Wir dürfen uns vorläufig nicht durch ganz Palästina zerstreuen, sondern müssen uns an einigen Punkten konzentrieren und geschlossene Siedelungen bilden. Nur auf diese Weise können wir schon heute in gewissem Umfange das erreichen, was wir erstreben, nämlich ein jüdisches Milieu und einen geschlossenen jüdischen Wirtschaftskreis, in dem Konsument, Zwischenhändler und Produzent sämtlich Juden sind." Dieses Vorgehen ist nicht nur durch nationale Gründe veranlaßt, wie man etwa aus diesen Angaben entnehmen könnte, sondern auch durch wirtschaftliche. Das Budget aller jüdischen Kolonien — ich verweise in diesem Punkte insbesondere auf Nawratzki und Oettinger — ist durch kulturelle Ausgaben — Schule, Arzt, Apotheker — sowie durch Schutz- und Verkehrsmaß regeln stark überlastet; und so ist es naturgemäß auch das Bestreben der Organisation, die einzelnen Kolonien zu größeren Komplexen zu vereinigen und das dazwischenliegende Land aufzukaufen. Je größer das zusammenhängende Landgebiet ist, desto weniger wird der Einzelne durch die außerwirtschaftlichen Ausgaben belastet. — Wenn aber daran gedacht wird, einen großen zusammenhängenden Koloniekomplex zu schaffen, so wird die ernsteste Sorge bei diesem Werk das Schicksal der dazwischenwohnenden arabischen Bevölkerung bilden. Ruppin hat diese Frage damals — 1913 — noch nicht behandelt; sie war nocht nicht akut geworden, und er hatte vor dem Kongreß nur über seine bisherige Politik und deren Konsequenzen zu berichten. Bei einer weiteren Ausdehnung der jüdischen Kolonisation aber wird sich die zionistische Organisation auf das ernsteste mit diesem Problem beschäftigen müssen. An eine Expropriation größerer Teile der arabischen Bevölkerung — auch wenn diese unter einer größeren Geldentschädigung erfolgen sollte wird keinesfalls zu denken sein. Aber es gibt glücklicherweise auch noch einen anderen Weg; wir meinen eine Verpflanzung der Araber in andere palästinensische Gebiete und denken dabei vor allem an das Ostjordanland. Da sind größere Flächen noch nicht unter Kultur genommen — die Fellachen selbst besitzten nur etwa 15 °/0 des Bodens —, einmal wegen der räuberischen Überfälle der Beduinen, dann aber auch, weil das Getreide Ostjordaniens, infolge der Verkehrsabgeschlossenheit dieses Gebietes, so teuer nach anderen Teilen Palästinas kam, daß es dort nur schwer verkäuflich war. Der weitere Ausbau des Eisenbahnwesens wird jedoch — wie überall in der Türkei, so auch im Ostjordanlande — die Beduinengefahr verringern, wenn nicht völlig illusorisch machen und fernerhin diese Gebiete mit den übrigen Teilen Palästinas verknüpfen, so daß die Gründe für