Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 158 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Fritz Sternberg: Frage der Zeit sein; dann sind alle Voraussetzungen so günstig gegeben wie in keinem anderen Lande des Orients. Die unmittelbaren Wirkungen der jüdischen Kolonien waren bisher nicht allzu groß. Dies liegt daran, daß sie im Vergleich zu der arabischen Wirtschaft einen nicht allzu bedeutenden Umfang besitzen und nur 1\i aller Kolonisten sich mit dem Getreidebau beschäftigt. Es ist ferner darin begründet, daß die Kolonisten zunächst alle Hände voll mit sich selbst zu tun hatten und die wirtschaftliche Blüte der Kolonien erst im letzten Jahrzehnt einsetzte. Trotzdem sind die Araber im Umkreis der Kolonien Petach-Tikwah und Rischon le Zion*) zu weit intensiverem Anbau übergegangen, haben insbesondere immer mehr künstlichen Dünger verwandt und größere Erträge herauszuwirtschaften vermocht. Die weitere Ausdehnung dieser Kolonien wird sich infolgedessen ohne jede Reibung mit den Arabern vollziehen können. Wenn wir genaues Zahlenmaterial über die früheren Erträge der arabischen Wirtschaft zur Verfügung hätten, so könnten wir diese Vorgänge auch statistisch erfassen; so müssen wir uns mit der Feststellung begnügen, daß die Erträge der Araberdörfer im Umkreis dieser beiden Kolonien bedeutend größer sind im Vergleich zu denen, die die Fellachen auf anderen ebenso günstig gelegenen Gebieten Palästinas aus ihren Gütern erzielen. Was von Petach-Tikwah und Rischon le Zion gilt — es sind dies die ältesten jüdischen Kolonien —, gilt im kleineren Umfange für alle jüdischen Kolonien Palästinas; überall hat die jüdische Wirtschaft auf die arabische in tausendjährigem Schlummer liegende belebend gewirkt, überall zeigen sich auch bei den Arabern Ansätze zur intensiveren Kultur; eine Einwirkung, die natürlich durchaus im Sinne des jüdischen Kolonisationswerkes liegt. Zusammenfassend sei bemerkt, daß sich für den mittelbaren Einfluß der Juden auf die arabische Wirtschaft noch mehr weite Möglichkeiten ergeben, daß sie aber auch unmittelbar sehr günstig auf die Entwicklung der arabischen Wirtschaft gewirkt und diese insbesondere zur besseren Ausnutzung aller Bodenkräfte erzogen haben. 9- Wie wird sich nun das Verhältnis zwischen den Juden und der einheimischen Bevölkerung gestalten, wenn die jüdischen Kolonien sich verdoppeln, verdreifachen? Werden dann nicht manche Reibungsflächen unabwendbar sein? Wir können diese Frage verneinen. Bei Anlage von Plantagen, Pflanzungskolonien dürften die Juden auf keinen allzu großen arabischen Widerstand bei ihren Ausdehnungsbestrebungen stoßen, da die Araber aus Mangel an Kapital und Kenntnissen den hierfür geeigneten Boden meist brach liegen ließen, und wir glauben für die nächsten Jahrzehnte nicht an eine gleichmäßige Entwicklung der jüdischen Pflanzungs- und Getreidekolonien, sondern vielmehr an ein weit schnelleres Anwachsen der ersteren als der letzteren. Schon dadurch werden die Reibungsflächen stark reduziert. Aber wir sollen uns dem Gedanken nicht verschließen, daß sie dennoch vorhanden sein werden, besonders eben in Galiläa, und dadurch sogar eine Steigerung erfahren werden, 'daß die jüdische Kolonisationsbewegung nicht mehr überall Boden ankaufen kann und wird, wo dieser ihr gerade angeboten wird, sondern bestrebt sein muß, die jüdischen *) Ich verdanke diese Tatsachen einer persönlichen Mitteilung Dr. Ruppins.