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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 4 · p. 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
Date
1918-01-01
Page
156 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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iS6 Fritz Sternberg: eine bemerkbare Wirkung zu erzielen. Der Araber wie der Türke ist eingestellt auf lebendige Wirkung, auf das Leben außer ihm, das ihm tatsächlich vor Augen tritt, und Güter in seiner unmittelbaren Nähe, aus denen doppelte Erträge herausgewirtschaftet werden wie aus seinem eigenen und ebenso gut gedüngten, diese wirken, diese stacheln ihn an, diese vermögen ihn zu wandeln, ganz anders als ein Vortrag mit Lichtbildern über die Vorteile künstlichen Düngers. Die Deutschen, deren Landwirtschaft auf einer hervorragenden Stufe steht, werden diese Wirkungen nicht auslösen, da ihre Zahl viel zu klein ist und sich nicht vergrößern dürfte, ganz abgesehen davon, daß die psychischen Voraussetzungen, die einem Zusammenarbeiten von Arabern und Juden so günstig sind, völlig fehlen. Es sind und bleiben die Juden — und hier ist der Punkt, an dem es sich am deutlichsten zeigt, von welch fundamentaler Bedeutung es ist, daß die Träger des europäischen Wirtschaftsgedankens nicht, wie die Engländer in Ägypten, nach einigen geglückten geschäftlichen Unternehmungen nach Europa zurückkehren wollen, sondern daß sie in das Urväterland gekommen sind mit der Absicht, es nie mehr zu verlassen, zu leben und zu sterben in Palästina. Drei Fragen sind es insbesondere, die uns bei dieser Problemstellung beschäftigen sollen: 1. Wie ist das Verhältnis zwischen Juden und Arabern in der Landwirtschaft bisher gewesen? 2. Was haben die Juden bisher zur Europäisierung arabischer Landwirtschaft beigetragen? 3. Welche Wirkungen sind bei einer starken jüdischen Einwanderung für das Verhältnis zwischen Juden und Arabern zu erwarten? 7. Die Beziehungen zwischen Juden und Arabern waren zunächst denkbar gute. Das ist leicht erklärlich. Allein in den jüdischen Pflanzungen fanden zeitweilig fast 10000 Araber lohnende Beschäftigung. Das waren mehr, als vor der Besiedlung durch die Juden von diesem Boden gelebt hatten, und viele andere wurden bei der Anlage von Häusern und Wirtschaftsgebäuden, bei der Schaffung und Ausbesserung von Wegen beschäftigt. Wenn wir in Betracht ziehen, wie kümmerlich die ökonomische Lage des Fellachen war, wenn wir bedenken, daß der Lohn in den jüdischen Kolonien zumeist weit höher war, als der Fellache bei angestrengtester Arbeit aus seinem Gütchen herauswirtschaften konnte, so können wir dem Urteil Dr. Hausmanns*) zustimmen, daß die Gründung der jüdischen Kolonien einen Segen für die Fellachenbevölkerung bedeutete. Jedoch dieses harmonische Bild ändert sich; mit der Zeit wurden die jüdischen Landkäufe häufiger, und man beging den verhängnisvollen Fehler, das Land zuweilen von den reichen städtischen Arabern und Wucherern direkt zu kaufen, denen das Gut des Fellachen nominell gehörte. Die Folge war, daß mancher Araber von Haus und Hof vertrieben wurde, ohne einen Pfennig vom Kaufschilling zu sehen, und dazu kam noch, daß die Kolonisten sich bemühten, immer mehr jüdische Arbeiter anzustellen bzw. selbst den Boden zu bebauen, so daß dem Fellachen auch diese Erwerbsmöglichkeit geschmälert war. So stand mancher subsistenzlos da, ohne Geld, ohne Arbeit, und war zur Ab- *) Siehe die Zeitschrift „Palästina" 1910, Seite 210.

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