Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 153 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus 153 den jüdischen Schulen Gelegenheit zur Weiterbildung gegeben wird. Die kulturellen Einwirkungen der Juden auf die Araber sind geeignet, die stärksten Hemmungen für eine Weiterentwicklung der einheimischen Wirtschaft zu beseitigen; sie bilden die Basis für ein fruchtbringendes Wirken der Juden auf diesem Gebiete. 5. Die arabische Wirtschaft ist — bis auf verschwindende* Ausnahmen — sowohl in den Städten, als auch auf dem Lande der europäischen vor Beginn des Frühkapitalismus zu vergleichen; nicht der „Erwerb" ist die Tendenz, die das Leben des wirtschaftenden Menschen beherrscht, sondern die „Nahrung", um einen Ausdruck Sombarts zu gebrauchen. Wie wird auf diese Araberbevölkerung der Zusammenstoß mit den Juden wirken? Die jüdischen Kreise, die bislang für eine Einwanderung in Palästina in Betracht kamen, sind nicht Träger des ausgeprägten westeuropäischen Kapitalismus gewesen — im Gegenteil, die letzteren hielten sich im allgemeinen den zionistischen Bestrebungen fern —, sondern sie entstammten zumeist dem Arbeiter-, Kleinhandels- und Handwerkerstande oder auch landwirtschaftlichen Kreisen und nehmen so vielleicht eine Mittelstellung ein zwischen der arabischen städtischen Wirtschaft und dem europäischen Industrie-Kapitalismus. Als Vertreter eines mehr kleinbürgerlichen Systems sind die Juden nach Palästina gekommen und in den ersten Jahrzehnten veränderten sie die arabische Wirtschaftsweise nur minimal. Die Gründe liegen auf der Hand: der überwiegende Teil (die Chaluka-Empfänger) war überhaupt höchstens im Nebenberuf wirtschaftlich tätig, und die anderen lebten im allgemeinen als Handwerker weiter, da die Voraussetzungen für eine große industrielle Entwicklung noch nicht gegeben waren. Daher war ihr Einfluß auf die arabische Wirtschaftsform zuerst nicht allzu groß. Allerdings hatten die Araber — wie sie selbst zugaben — zumeist große Vorteile von den Einwanderern. Die Häuser und Bauplätze, die in ihrem Besitz waren, erfuhren eine große Wertsteigerung, und infolge der mehr europäischen Bedürfnisse zahlreicher Einwanderer und des Geldes, das diese ins Land brachten, erhöhten sich die Arbeitsmöglichkeiten für die Araber und ihre Einkommensverhältnisse verbesserten sich stark. Daher finden wir in den ersten Jahren eine starke Einwanderung von Arabern nach Jerusalem und nach den anderen jüdischen Einwanderungszentren, weil eben dort die Verdienstaussichten bessere waren. Als aber die jüdische Einwanderung, ihr Geburtenüberschuß sowie die Bestrebungen zur Reformierung der Chaluka die Zahl der wirtschaftlich tätigen Juden in den Städten überraschend schnell vermehrte, während die industriellen Möglichkeiten noch nicht ausgenützt waren, hatte dies insoweit eine Rückwirkung auf die Araber, als die städtischen Juden immer mehr zu ihren Konkurrenten wurden, denn die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung wurde, wenn wir von den jüdischen Kolonien absehen, nicht allzuviel größer. So entstanden an manchen Orten kleine Spannungen, die jedoch kaum etwas zu bedeuten hatten. Die Juden und Araber wohnten in den Städten — meist in getrennten Vierteln — friedlich nebeneinander und von einer Europäisierung der städtischen arabischen Wirtschaft durch die Juden war bisher nur sehr wenig zu spüren. Wie werden sich die Verhältnisse nach dem Kriege gestalten, wenn unsere Annahme einer weiteren jüdischen Einwanderung zu Recht besteht und so ins-