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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 4 · p. 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
Date
1918-01-01
Page
151 (sequence 5)
Language
German
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Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus 151 lieh erschöpfende Behandlung des Problems erwarten; denn gerade in diesem so überaus wichtigen Punkte läßt uns das Quellenmaterial sehr im Stich. Wissenschaftliche Vorarbeiten sind nur in sehr geringem Maße vorhanden. Wir werden zunächst die kulturellen Wirkungen, die von den Juden ausgehen, behandeln, sodann die wirtschaftlichen, möchten aber darauf hinweisen, daß diese Trennung jnicht so scharf ist wie bei uns im Abendlande, daß die Wechselbeziehungen hier weit stärker ausgeprägt sind, somit kulturelle Einwirkungen starke wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Wir zeigten bereits in anderen Zusammenhängen, als wir über die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus für die Türkei handelten — siehe das Oktoberheft dieser Zeitschrift —, wie überaus groß die Sterblichkeit der einheimischen Bevölkerung ist, die bisher jeden gesunden Bevölkerungsfortschritt verhindert hat und wohl den Hauptgrund für die wirtschaftliche Stagnation des Landes bildete; wenn wir an die jüdische Einwanderung eine Forderung stellen sollten, wie sich ihr Einfluß kultureller Art zunächst bestätigen müßte, so würden wir verlangen, sie sollte hygienisch-normale Verhältnisse, normal im europäischen Sinne, schaffen. Messen wir an diesem Maßstabe die bisherigen Einwirkungen, so sind sie nicht gerade sehr groß, können es nicht sein. Bedenken wir doch, daß die jüdische Einwanderung erst in die letzten 35 Jahre fällt und im Anfang aus völlig unproduktiven Chaluka-Juden bestand, bei denen die Begriffe von Reinlichkeit und Hygiene nicht sehr ausgeprägt waren. Der neue Jischub hat natürlich erst einige Zeit gebraucht, um sich in den völlig neuen Verhältnissen einzugewöhnen und sich eine seinen eigenen Bedürfnissen angepaßte Gesundheitspflege zu schaffen.. Er hat dies getan, in mustergültiger Weise getan, in den Kolonien wie in den Städten bis auf Jerusalem; es ist ja bekannt, daß ein viel größerer Teil des jüdischen Budgets für Ärzte und sonstige kulturelle Zwecke verwendet wird, als es bei anderen Völkern der Brauch ist. Die Ausstrahlungen beginnen sich bereits bei den Arabern bemerkbar zu machen, natürlich erst in geringem Maße, denn wir müssen bedenken, daß — ganz abgesehen von dem kurzen Zeitraum — die Zahl der Juden sich zu der der Araber verhält wie 1 zu 7, und wenn wir von Jerusalem absehen, wie 1 zu 12. Jedoch finden sowohl in den Kolonien wie in den Städten jüdische Ärzte, deren Zahl die arabischen übersteigt, immer mehr Anklang, und die Bedenken gegen sie schwinden mehr und mehr. Ihre Tätigkeit wird sich in Zukunft insbesondere auf zwei Gebiete erstrecken: auf die Bekämpfung der weitverbreiteten Krankheiten, insbesondere der Malaria und des Trachoms, sowie Schaffung von hygienisch-einwandfreien Zuständen, und daraufhin auf private einzelne Behandlung. Im ersten Punkt ist bisher, abgesehen von den jüdischen Zentren, sehr wenig getan worden. Wenn jedoch nach dem Kriege unter den türkischen Beamten sich energische Männer finden sollten, die auf hygienischem Gebiete die notwendigsten Reformen durchführen, dann werden jüdische Ärzte in jeder Zahl dabei der Türkei zur Verfügung stehen, und die Türkei wird auf sie angewiesen sein, da sie in absehbarer Zeit sicherlich den eigenen Bedarf an Ärzten nicht decken kann und jede größere europäische Einwirkung energisch ablehnt. Wir glauben, daß die Reform zugleich mit der Änderung der gesamten Wirtschaftspolitik einsetzen wird, sie ist ja eigentlich im Grunde ein Teil von dieser. Und zu gleicher Zeit werden sich wohl auch die jüdischen Einrichtungen auf diesem Gebiete vervollkommnen, insbesondere wird die dann gegründete Universität in Jerusalem dem

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