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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 4 · p. 149

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Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 4
Article
Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus
Date
1918-01-01
Page
149 (sequence 3)
Language
German
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Die Bedeutung der Araberfrage für den Zionismus 149 2. Das innere Verhältnis der Juden zu den Orientalen, zu der einheimischen Bevölkerung ist wesentlich verschieden von dem irgendeiner anderen Gruppe zu den Bewohnern des Orients. Die Juden kamen und kommen nicht als Eroberer nach Palästina wie die Russen nach Turkestan, nicht in stolzer Unnahbarkeit wie die Engländer zu den Ägyptern, überhaupt nicht als Herrenvolk — schon der Gedanke daran wäre bei den realen Machtverhältnissen von der Hand zu weisen —, sondern sie kommen in das Land ihrer Väter, um es in gemeinschaftlicher Arbeit mit den Arabern unter möglichster Entwicklung der einheimischen Wirtschaft wieder aufzubauen. Schon rassenmäßig haben sie nicht die Gegensätze aufzuweisen, wie Russen und Sarten, Engländer und Ägypter, Amerikaner, Deutsche, Franzosen und Türken oder Araber. Die Juden sind ein altorientalisches Volk und haben sich als solches seit dem Beginn unserer Zeitrechnung bis um die Wende des 18. Jahrhunderts fast unvermischt erhalten. Wo Vermischung eintrat, da gingen die Teile der jüdischen Gemeinschaft größtenteils verloren und verschwanden unter den Wirtsvölkern. Im 19. Jahrhundert, vor allem in den letzten Jahrzehnten, hat die Mischehe besonders in Westeuropa immer mehr an Ausdehnung zugenommen. Aber die Teile des Judentums, die für eine Auswanderung nach Palästina in Frage kamen und kommen, haben sich bisher fast völlig von Mischehen frei erhalten, so daß 'die Juden, die das Heilige Land betreten, noch desselben orientalischen ^Blutes sind, wie ihre Väter, die es vor Jahrtausenden verließen. Als Semiten sind sie den Arabern urverwandt; jedoch nicht nur rassenmäßig; auch die hebräische Sprache weist weit mehr verwandte Züge mit der arabischen auf als irgendeine europäische mit einer orientalischen, und Hebräisch wird immer mehr die Sprache der Juden in Palästina. Eine genaue Statistik darüber, wieviel Juden hebräisch verstehen bzw. sprechen, besitzen wir vorläufig nicht — Auerbach schätzt sie auf 40000 —, aber wir wissen, daß das Hebräische in sämtlichen landwirtschaftlichen Kolonien sowie von der Mehrzahl der städtischen Bevölkerung, insbesondere von dem neuen Jischub, gesprochen wird, also gerade von den produktiven jüdischen Kreisen. Die hebräische Sprache war niemals gestorben, sie lebt in den Juden Palästinas in allen geistig regeren Kreisen, sie ist an fast allen Schulen Unterrichtssprache, und alle jüdischen Organe in Palästina erscheinen in hebräischer Sprache. Rassen- und sprachverwandt sind die Juden der arabischen Bevölkerung Palästinas, und die arabische Sprache ist ihnen durchaus nicht fremd. Ein bedeutender Teil aller Juden Palästinas, von denen die Mehrzahl in den letzten 30 Jahren einwanderte, kann arabisch sprechen. Der Rest setzt sich zum überwiegenden Teil aus Chaluka-Empfängern zusammen, die keine wirtschaftlichen Beziehungen mit der arabischen Bevölkerung verbinden. Die neuen Einwanderer lernen arabisch in kurzer Zelt, meist in 2—3 Jahren; insbesondere gilt dies von der jüngeren Generation. So wächst die jüdische Jugend auf, schon von früher Kindheit an vertraut mit allen Gewohnheiten und Gebräuchen der Araber. Daher ist das Verhältnis dieser beiden Rassen gar nicht zu vergleichen mit dem der Engländer zu den Ägyptern, mit dem der Russen zu den Einwohnern Turkestans. Die Gegensätze des fortschrittsfähigen Arabervolkes zu den einwandernden Juden sind keine absoluten, weisen keineswegs unüberbrückbare Gegensätze auf. Die Juden kommen eben nicht ins Land, um es nach möglichst schneller Bereicherung wieder zu verlassen, sondern sie sind durch jahrhundertelange Traditionen mit 11*

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