Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der "Zionsliebe"
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 120 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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120 S. L. Zitron: Zur Geschichte der „Zionsliebe" ruf, wo sie erklärten, sie seien bereit, dem Rate der Alliance zu folgen und nach der Türkei auszuwandern, aber nur unter der Bedingung, daß der Boden, den man ihnen gebe, in Palästina sei. „Nur in Erez-Israel" — so schrieben die Schabazer Juden — „sind wir und unsere Frauen und Kinder bereit, die Erde zu bebauen und jegliche schwere Arbeit zu leisten, nicht aber an irgendeinem anderen Orte, sei es auch in der Türkei/1 Als Kalischer dies erfuhr, beauftragte er Friedland, bei der Alliance dahin zu wirken, daß die Schabazer Juden ihrem Willen gemäß in Palästina angesiedelt würden. Friedland aber fand es notwendig, daß auch Kalischer nach Paris komme, um ihm in der Sache behilflich zu sein, die er allein nicht durchsetzen könne. Da Kalischer verhindert war, bevollmächtigte er, wie oben erwähnt, Rabbi Alkalai. Mit der großen Begeisterung seiner leidenschaftlichen Natur gab sich Alkalai dem Wirken für die Erfüllung des Wunsches der Schabazer Juden hin. Er sprach bei sämtlichen Mitgliedern des Alliancevorstandes vor, flehte jeden einzelnen mit Tränen in den Augen an. Er fastete und bat Gott um Erfolg in seinem Unternehmen. Aber alles war vergeblich. Das Zentralkomitee fand, das Verlangen der Schabazer Juden sei undurchführbar. Cremieux weigerte sich, die Petition dem Sultan neuerlich zu überreichen, aus Besorgnis, er könnte es sich überlegen und auch seine erste Zustimmung zurücknehmen. Außerdem sagten die Mitglieder des Vorstandes, sie sähen nicht ein, woher man die vielen Millionen bekommen solle,' die für die Ansiedelung der Schabazer Juden in Palästina nötig seien. Von Schabaz nach der Türkei sei kein weiter Weg, wohl aber von Schabaz nach Palästina. Über einen Monat verbrachte Alkalai in Paris. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß seine Mühe vergeblich war, kehrte er gebrochenen Herzens heim. In Semlin erwartete ihn eine neue bittere Enttäuschung. Er fand einen Brief aus Jerusalem vor, in dem ihm einer seiner Freunde, ein begeisterter Anhänger der Zionsliebe, die traurige Kunde mitteilte, daß alles, was er in Jerusalem für den Palästinagedanken geschaffen hatte, zunichte geworden war. Die Chulukaner verbreiteten unter dem Volke Nachrichten, der ganze Zweck der Chibat-Zion sei allein der, sie brotlos zu machen. Außerdem suchten sie zu beweisen, die Erdarbeit werde die Juden vom Gottdienen ablenken. Dabei beriefen sie sich auf die Schüler in Mikweh-Israel, die alle vom rechten Wege abgekommen wären. Dies alles wirkte auf die Leute, die sich früher mit Alkalai vereinigt hatten, und allmählich sagten sie sich von ihm und Chibat- Zion los. Die „Allianz zur Besiedlung Palästinas" brach zusammen, noch bevor sie Frucht getragen hatte. Die Chalukajuden begnügten sich nicht damit und versandten an die Notabein der Diaspora im Namen der bekanntesten Persönlichkeiten Jerusalems gefälschte Briefe, in denen erklärt wurde, der Boden in Palästina sei nicht fruchtbar, die Beduinen brächten Leben und Gut der Juden in Gefahr; überdies hieß es darin, diejenigen Juden, die in Palästina Erdarbeit zu treiben beabsichtigten, seien gott- und thoralos und hätten bloß im Sinn, eine zügellose Lebensart zu führen. In denselben Briefen verbreiteten sie häßliche Lügenmeldungen über die Persönlichkeit Alkalais; sein ganzes Trachten sei allein Eigennutz, er ziele nur darauf ab, die Volksspenden in die eigene Tasche zu stecken, und ähnliches mehr. Diese Nachrichten drückten den Greis schwer nieder. Um die persönlichen Angriffe bekümmerte er sich weniger, aber das Herz tat ihm weh ob des nega-