Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der "Zionsliebe"
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 121 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 121 tiven Ergebnisses all seiner mühevollen Arbeit. In einer Reihe von Aufsätzen, die er, laut seinem Ausdruck, mit dem Mark seiner Knochen schrieb, deckte er in den Zeitungen alle Fälschungen und Betrügereien seiner Jerusalemer Widersacher auf. Das schien ihm aber zu wenig. Da er befürchtete, die Briefe der Chalukaführer hätten Eindruck auf die Zionsfreunde der Diaspora gemacht, unternahm er, seines hohen Alters ungeachtet, eine neue Reise nach den größten Städten Europas und hielt überall flammende Reden in den Synagogen über Chibat-Zion. Nach Hause zurückgekehrt, konnte er sich noch immer nicht beruhigen. Er reiste wieder nach Palästina und verweilte dort diesmal fünf Jahre lang. Die ganze Zeit führte er eine große, energische Propaganda für die Besiedlung des Landes, gerade unter den Chalukanern. Seine letzten Hoffnungen setzte der greise Alkalai auf die Londoner Gesellschaft „Maskeret Mosche", von der verlautet hatte, sie habe die Absicht, Palästinakolonisation zu treiben. Die Nachricht, daß diese Gesellschaft zu ihrem Vertreter in Jerusalem den bekannten hebräisch-orthodoxen Schriftsteller Jechiel Michal Pines bestimmt hatte, erfreute Alkalai sehr, und er erwartete seine Ankunft mit Ungeduld. Aber wie seine Gesinnungsgenossen, Gutmann und Kalischer, so erlebte auch Alkalai nicht, mit eigenen Augen zu sehen, wie sein Lebensideal allmählich verwirklicht zu werden begann. Anfang Oktober 1878 verschied er, achtzig Jahre alt, in Jerusalem. Kurz nach seinem Tode erwarben fünf seiner Jerusalemer Anhänger das Dorf Amlabasch, eine Bodenfläche von 400 Hektar, zwei Kilometer von Jaffa gelegen, und siedelten dort fünfzig jüdische Familien an. Aus dieser Siedlung entwickelte sich im Verlauf der Zeit jene große jüdische Kolonie, die heute unter dem Namen Petach-Tikwah wohlbekannt ist. Wilna S. L. Zitron AUS DEM RELIGIÖSEN LEBEN DER OST JUDEN III. Ehe 2. Verlobung und Brautzeit Ist nun von den Eltern der Entschluß gefaßt, dem Abschluß der vorgeschlagenen Partie näher zu treten, dann fährt noch mitunter, wenn die Partie von auswärts geschlossen werden soll, der Vater oder, wo die Frau das große Wort führt, die Mutter, um das Haus und den Kandidaten bzw. die Kandidatin persönlich kennen zu lernen. Wird alles in Ordnung gefunden, dann wird in diesem Fall zuvörderst ein sog. „Wort gemacht" mit Handschlag (Tkiat kaf) und mitunter auch sog. ,,Ruschei prukim" (Hauptmomente), etwa eine Art schriftlicher Präliminarien verfaßt. Dies alles aber bloß vorbehaltlich bindend bis zur formellen Verlobung („Tnuim", wörtlich Bedingungen, d. h. die schriftliche Verlobungsurkunde), bis „sich die Kinder gesehen haben". Bei Chassidim ist es Sitte, vor dem Abschluß noch den Rat bzw. die Zustimmung und den Segen des Zaddiks zu holen. Steht das Brautpaar in noch sehr jugendlichem Alter, so treten in dessen Abwesenheit an Stelle der provisorischen „Rusche prukim" die definitiven „Tnuim" d. h. die offizielle Verlobung. Vater oder Mutter oder beide zusammen kommen dann nach Hause und rufen, den Verlobungsakt zeigend, dem nichtsahnenden Kinde