Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1918-01-01 · Heft 3 · p. 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte der "Zionsliebe"
Date
1918-01-01
Page
119 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101137-3101141-3103326--2410-3103365
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Zur Geschichte der „Zionsliebe" 119 liebe der einzige Gegenstand seiner Predigten, die er später im Druck veröffentlichte. Auch er gehörte zu denen, die bei der Gründuag der Alliance Israelite hofften, die Realisierung des Palästinagedankens würde den ersten Platz in ihrer Tätigkeit einnehmen. Das bewog Friedland, viele Reisen nach verschiedenen nahen und fernen Ländern zu unternehmen und eine breite, energische Werbetätigkeit für die Alliance zu entfalten. Er gewann auch überall Mitglieder für die Gesellschaft. Sodann begab er sich nach Paris und trat, ohne dazu besonders bevollmächtigt zu sein, in Unterhandlungen mit Adolphe Cremieux über Palästina. Von Paris führte Friedland einen regen Briefwechsel mit Kalischer und anderen Persönlichkeiten in Deutschland, darunter auch mit Dr. Haim Lurje. Dem Vorschlage Kalischers gemäß überreichte Friedland Napoleon III. eine Bittschrift wegen Palästinas. Im Anhang zu seinem Werke „Jossef Chen" erzählt Friedland, Napoleon habe seine Petition in einem Brief beantwortet, er aber, Friedland, und Kalischer hätten beschlossen, den Brief nicht zu veröffentlichen. Von da an wurde er der Vermittler in der Palästinaangelegenheit zwischen Kalischer und den jüdischen Notabein in Paris, besonders den Rothschilds. Später unternahm Friedland auf Anregung Kalischers eine zweite Reise nach verschiedenen Ländern, um zugunsten der Alliance zu werben, damit ihre Einkünfte vermehrt würden und sie die Möglichkeit hätte, für Chibat-Zion Großes zu leisten. Äußerst bezeichnend sind die folgenden Worte aus dem Aufrufe, der damkls im „Hamagid" über die Mission Friedlands veröffentlicht wurde und die Unterschriften Gutmachers und Kalischers trug: „Die gesetzestreuen Juden haben die Alliance materiell zu unterstützen, um auf sie eine Wirkung dahin auszuüben, daß sie einen bekannten und gelehrten Rabbi bestimme, unter dessen Aufsicht der nötige Boden für die jüdische Kolo nisation gekauft werden soll, und der darauf zu achten hat, daß die Kolonisten fromme und gottesfürchtige Juden seien und die Gebote der heiligen Lehre erfüllen/' Sehr schwer war es dem alten Alkalai, die Reise nach Paris zu machen. Die in Palästina zugebrachten Wochen hatten ihn sehr ermüdet, und er sehnte sich nach Ruhe. Aber wie konnte er sich Ruhe gönnen, während seiner in Paris wichtige Arbeit harrte? Bereits in der Nähe seiner Heimatstadt angelangt, eilte Alkalai über Budapest nach Paris. Zu seiner Überraschung erfuhr er von Friedland, daß es sich nicht allein um Palästina, sondern auch um die serbischen Juden handele, deren Los Alkalai besonders am Herzen lag. Zu jener Zeit befanden sich die serbischen Juden in einer sehr schlimmen Lage. Die Serben, die damals von den Türken drangsaliert wurden, entluden ihren Zorn an den Juden. Es kam zu Pogromen und Gewalttaten. In vielen Orten waren die Juden ihres Lebens nicht sicher. Einer dieser Orte war die Stadt Schabaz. Dort fürchteten die Juden, sich selbst am hellen Tage auf der Straße zu zeigen. Die Schabazer Juden schütteten ihr Herz vor der Alliance in Paris aus und flehten um Hilfe. Das Zentralkomitee der Alliance hielt darüber einige vertrauliche Sitzungen ab und fand endlich für die Schabazer Juden keinen anderen Ausweg, als das Land zu verlassen. Daraufhin wandte sich der Vorstand der Alliance mit Cremieux an der Spitze an die türkische Regierung mit der Bitte, sie möchte die Schabazer Juden in ihr Land aufnehmen. Die Sache kam vor den Sultan, der sich einverstanden erklärte, ihnen Boden in der Türkei zur Verfügung zu stellen. Die Schabazer Juden jedoch wollten darauf nicht eingehen und veröffentlichten im „Hamagid" einen Auf-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.