Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der "Zionsliebe"
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 118 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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n8 S. JL Zitron: ganda im Auslande zu leiten hatte. Im ersten Rundschreiben, das dieses Komitee an die ausländischen Zionsfreunde versandte, teilte es ihnen mit, die türkische Regierung sei bereit, eine ausgedehnte Bodenfläche zwischen dem Dorf Ramie und Jaffa, unweit der Ackerbauschule Mikweh-Israel, billig zu verkaufen. Diese Nachricht, die in der ganzen Welt verbreitet wurde, begeisterte die Palästinophilen aller Länder. Als sie an Rabbi Eljahu Gutmacher gelangte, empfing er sie mit Freudentränen in den Augen, mit dem Segen „schehechjanu", daß er solches erlebt hatte. Einige Wochen verweilte Alkalai in Jerusalem und spornte das Komitee zur Arbeit an. Er eröffnete außerdem ein besonderes Büro, wo er unablässig saß und Briefe und Denkschriften an die jüdischen Notabein aller Länder verfaßte. In all seinen Briefen wiederholte er die Meinung, „wenn die Besiedlungssache auf Spenden aufgebaut würde, würde sie unmöglich bestehen können; die Sache müsse die Form eines Unternehmens annehmen, mit Aktien, einer Bank und Grundkapital." Alkalai versuchte auch, eine Rundfrage bei berühmten Sachverständigen in Palästina und der Diaspora zu veranstalten, und veröffentlichte die eingegangenen Antworten in der Jerusalemer hebräischen Wochenschrift „Chawazelet", die damals den Chibat-Zion-Gedanken heiß verteidigte. Am Vorabend seiner Abreise aus Jerusalem nahm Alkalai siebenmal ein Tauchbad, betete innig an der Klagemauer und vergoß bittere Tränen. Er weinte ob des Galut der Schechina, des Galut der Lehre, des jüdischen Geistes und des jüdischen Volkes; und er betete, sein Mühen um deren Wiederaufleben möchte nicht vergeblich sein. In derselben Nacht hatte er einen Traum: Der Prophet Elijahu erschien ihm mit leuchtendem Antlitz und liebreichem Lächeln und gab ihm seinen Segen zum großen Werke. Als der Prophet verschwand, vernahm Alkalai ein leises Frauenschluchzen. Das war Mutter Rachel, die ob ihrer umherirrenden Kinder weinte. Und Alkalai weinte im Schlafe mit. Da stieg eine Feuersäule hernieder, an der mit Funkenschrift geschrieben stand: „Die Kinder sollen wieder in ihre Grenzen kommen (Jerem. 31,17)." — Ja, die Kinder werden heimkehren, sie müssen heimkehren, — mit diesen Worten erwachte Alkalai. Am selben Tage reiste er nach Semlin ab. In seiner echt orientalischen Phantasie glaubte er, der erste Schritt zur Verwirklichung seines Ideals sei bereits gelungen. Palästina, meinte er, sei schon vorbereitet, alles sei schon fertig da, große Bodenflächen, viele Leute, die den Boden bearbeiten wollten; es fehle nur eine Aktiengesellschaft, die die Sache in ihre Hand nehmen sollte. Die Gründung einer solchen Gesellschaft sei auch nicht sehr schwer. Hauptsache sei, daß sich Männer fänden, die sich damit beschäftigten. Er, Alkalai, für sich war bereit, einer von diesen zu sein, und er war sicher, daß sich alles nach dem Herzenswunsch entfalten würde. Nur die Arme nicht verschränken, nur das Zutrauen zu Gott nicht verlieren. In diese Hoffnungen versenkt, kam Alkalai nach Jaffa. Dort traf er bei dem sephardischen Rabbiner eine Depesche von R. Hirsch Kalischer. Kalischer schlug ihm vor, nach Paris zu gehen, um dort mit dem bekannten palästinophilen Agitator R. Nathan Friedland zusammenzutreffen, der dorthin in wichtiger Mission gekommen sei und einen Mithelfer benötige. R. Nathan Friedland war ein gesetzestreuer Jude aus Rußland, der als europäisch gebildet galt und als Prediger berühmt war. Seine Reden in den Bate- Midraschim übten stets eine gewaltige Wirkung aus. Unter dem Einfluß Kalischers wurde er vom Palästinagedanken hingerissen, und seitdem war die Zions-