Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der "Zionsliebe"
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 117 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der „Zionsliebe" 117 Diese Denkschrift "des Rabbi Alkalai aus Semlin, der sich auch Kalischer und Gutmacher anschlössen, machte auf die Allianceführer einen starken Eindruck. Charles Netter, eines der energischeren Mitglieder des Alliancekomttees, der Gründer von Mikweh-Israel, teilte darauf Rabbi Alkalai mit, daß, in Rücksicht auf die Richtigkeit seiner Darlegungen, die Gesellschaft so gut wie beschlossen hätte, an ein viel größeres Unternehmen in Palästina heranzutreten. Der schwärmerische Alkalai war freudig hingerissen. In Predigten und Flugblättern erklärte er fortwährend die Wichtigkeit der Sache und bewies durch Andeutungen aus der Schrift, dem Talmud und den Midraschim, der Morgenstern der jüdischen Erlösung werde aus Gallien aufgehen. Die Hoffnung Alkalais ging aber nicht in Erfüllung. Zu jener Zeit, Ende 1869, deuteten bereits viele Zeichen auf einen nahen Krieg zwischen Frankreich und die Preußen. Diese Vorzeichen lenkten das französische Volk, und mit ihm auch die Juden Frankreichs, von allen gesellschaftlichen Interessen ab, die nicht unmittelbar zu den diplomatischen Reibungen in Beziehung standen. Besonders entfernte sich damals von den jüdischen Sonderinteressen Cremieux, der später bekanntlich bei der Gründung der dritten Republik eine große Rolle spielte. Das führte dazu, daß fast ein Jahr lang die Arbeit der Alliance ruhte und folglich auch der Beschluß, Kolonien im Heiligen Lande zu gründen, nicht verwirklicht wurde. So sah Alkalai seine Hoffnungen auf die Pariser Alliance enttäuscht und begann andere Wege und Mittel zu suchen, wie der Chibat-Zion-Gedanke zu verwirklichen sei. Die Arbeit von Kalischer und Gutmann befriedigte ihn wenig. Er legte keinen Wert auf Dinge, die durch Spenden ausgeführt werden, und hielt an seiner Meinung fest, ein Werk wie die Besiedlung Palästinas dürfe und könne nur durch eine große Kolonisationsgesellschaft verwirklicht werden. „Wenn man bauen will" — sagte Alkalai—, „dann soll man planmäßig und großzügig bauen. Eine Volkssache kann nicht durch kleine Mittelchen aufgerichtet werden." Es verstrich noch eine Zeitspanne, und Rabbi Alkalai kam zum Beschluß, man könne die Frage der Besiedlung Palästinas nur an Ort und Stelle lösen, in Palästina selbst. Trotz seines hohen Alters, er war schon mehr als siebzig, machte er noch eine Reise nach Erez-Israel. Nachdem er die dortige Lage genau geprüft hatte, kam er zu der Überzeugung, daß nur in Palästina selbst, am Orte der kommenden Arbeit, die Zentrale für Palästinabesiedlung gegründet werden müsse, mit Filialen in der ganzen Welt. Er berief in Jaffa und in Jerusalem große Volksversammlungen ein und machte seinen Plan bekannt. Seine Reden übten einen tiefen Eindruck aus. In Jaffa luden die beiden Rabbiner, der sephardische R. Jehuda Halevi und der aschkenasische R. Schelomo Chasan, die Vorsteher der jüdischen Gemeinde, zu einer vertraulichen Sitzung ein, auf der die Angelegenheit der Besiedlung Palästinas und die Art ihrer Verwirklichung besprochen wurden. In Jerusalem versammelten sich die Sephardim und Aschkenasim aller Landsmannschaften (Kolelim), und nach einer flammenden Rede Alkalais und stürmischen Debatten wurde der Beschluß gefaßt, eine allgemeine Gesellschaft zu gründen unter dem Namen „Israelitische Allianz für Besiedlung Palästinas", die überall besondere Landeskomitees haben sollte. Die Allianz konstituierte sich am nächsten Tage, unter dem Vorsitz des damaligen Chacham- Baschi Rabbi Meir. Bei der Allianz wurde ein Komitee gebildet, das aus sieben der angesehensten Persönlichkeiten Jerusalems bestand und die gesamte Propa- 9*