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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 1 · p. 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
3 (1918-1919)
Issue
Heft 1
Article
Hermann Cohen
Date
1918-01-01
Page
37 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Hermann Cohen 37 nicht das Geheimnis seines Gewebes, den Bau seiner Glieder, sondern er steht als ein in sich gefügtes Ganzes vor uns, den Schleier der Schöpfung über seinem Antlitz, ohne ein Bündel von Gründen hinter sich zu schleppen. Cohen ist keinen dieser Wege gegangen, und doch hat sein Weg die Eigenarten von beiden an sich: die Präzision der Logik und die Keuschheit des Künstlers. Er überrascht uns nicht durch den Glanz seiner Thesen, schreckt uns nicht mit der Schwere seiner detaillierten Motive, er verhüllt seine These, versteckt seine Motive tief hinter seinem dafür geschaffenen Plan.- Sein Wort wächst wie von selbst, dem Auge entrückt, unter Haufen von Gedanken und Gedankensplittern, wir merken sein Wachstum nicht und erkennen es erst bei seiner Vollendung — und schon sind wir seiner Lehre Untertan geworden, die unsern Sinn schrittweise erobert hat, ohne daß wir es wußten. Wir sahen ihrem Entstehen zu, erkannten es aber nicht, und so schlössen wir uns ihr widerstandslos auf ihrem langen Weg an, merkten aber dessen Wendungen nicht — und nun sind wir gefangen. Dem Anscheine nach legt Cohen bloß die Ansichten anderer dar und erklärt sie, aber in der Darlegung und Erklärung läßt er sie leichte Abweichungen vollziehen und bringt sie dorthin, wohin er will. Dem Anschein nach bringt er sie nur in Zusammenhang mit dem Thema, das er behandelt, aber währenddessen trägt er in sie heimlich die Körner seiner Lehre hinein, seine Deutungen und seine Besonderheiten, die sich zu einem System zusammenschließen. Er bildet Analogien, deckt Unterschiede auf, setzt Verhältnis um Verhältnis zwischen den Begriffen fest, knüpft heimlich die Fasern seiner Schöpfung hinein, um sie zu einem vielmaschigen bunten Gewebe zu verflechten. Dem Anschein nach liegt alles vor uns offen, aber suche einer den Ausgangs- und den Schlußknoten untersuche einer den Lauf eines jeden Fadens und seine Verschlingungen. Cohen ist ein Baumeister des Gedankens, seine Größe beruht in der Architektonik der Begriffe. Indem er sie ordnet, konstruiert er sie. Gehören etwa Mörtel und Ziegel dem Baumeister? Im Ordnen besteht das Bauen. Cohen ist Rationalist Das Ordnen und das Systematisieren, die Herrschaft der Methode — dies ist eines der Hauptmerkmale der rationalistischen Apperzeption und Konstruktion. Diese Wertschätzung Cohens enthält fast einen Tadel. Der Plan, der sich die Form Untertan macht, die Form, die sich ihren Stoff bereitet, die Ordnung, die auf eine bestimmte Richtung hinweist — heißt das nicht die Voraussetzungslosigkeit des Gedankens verletzen? Die Spitze einer geheimen Tendenz steckt in der Anordnung der Dinge, durchlöchert sie langsam und reiht sie an sich auf, bald schaut sie hervor, bald versteckt sie sich. Bedeutet dies nicht die Einfachheit des Gedankens beeinträchtigen? Aber man darf Cohen deshalb nicht tadeln, es sei denn, daß man den Stil des jüdischen Geistes tadeln will, dessen Gepräge ein Erkennen aus einem Willen und einer Zielstrebigkeit heraus ist. Es ist seine Art, mit dem Wege, den der Gedanke zurücklegt, Tendenzen zu verbinden und nur am Ende des Weges sich zufrieden zu geben. Den Genuß des Schauens allein kennt er nicht, nur den des Lernens und der Anwendung. Magst du ihn darum tadeln, daß er die Welt für den Menschen, die Welt auf Grund eines vorher bestehenden Planes aufbauen will? Magst du ihn tadeln, daß er seine Wahrheiten mit dem Stolze eines Wegweisers verkündet und mit der Pedanterie eines Lehrers für

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