Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 3 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gottes Volk
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 23 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottes Volk 23 als Material betrachten. Hüllt man sich aber im Winterfrost in einen dichten Pelz, um auch den warmen Sommer darin zu überdauern? Nichts Heiliges hat der Blick, der das Volk als Material sehend, es mit Gesetzzäunen schützt. Also können wir auch ohne Scheu unter gleichem Blick uns fragen, ob auch heute die Leitung des Volkes durch eine derartige Gesetzeshüterschaft wünschenswert wäre. Und trotz aller Bedenken sage ich unter diesem Gesichtspunkt, unter dem heidnischen Gesichtspunkte, dem das Volk Material ist, daß es nur zu begrüßen wäre, wenn aus der Mitte der (nicht gläubigen, sondern) Gesetz-tragenden Juden eine solche Körperschaft erwachsen würde, die imstande wäre, das Material nicht allein zu sammeln, sondern auch zusammenzuhalten. Zwar kann eine solche Körperschaft den Einzelnen in religiöser Beziehung nicht beraten, führen, oder gar vertreten, aber nach außen könnte sie einen günstigen Einfluß auf die Gestaltung einer freieren Entfaltung üben. Aber Nathan Birnbaum denkt sich die Körperschaft der Glaubenshüter, diese aus heidnischen Begriffen unter heidnischen Gesichtspunkten aufgebaute Körperschaft, auch und vor allem als religiöse Autorität. Denn sie soll ja auch bestimmen, was als Glaubenstat" (I) anzusehen sein soll. „Glaubenstat*M Abermals ein von Grund aus heidnischer Gesichtspunkt. Nicht was als Glaubens tat bezeichnet werden soll, sondern daß diese Zweckhandlungen als „Glaubenstat" angesprochen werden, darin liegt der heidnische Gesichtspunkt. Nicht im Worte etwa allein, sondern in der geltungsreligiösen, nahezu konfessionalen Gesinnung, die sich durch die ganze Schrift zieht, daß man sich oft wahrlich katholisch angehaucht fühlt Die Aufsteigenden wollen durch die Heiligkeit der Erkenntnis, durch die Heiligkeit des Erbarmens und durch die Heiligkeit der Pracht, durch Aufsteigen in diesen drei Heiligkeiten zu immer höheren Graden den Maschiach erzwingen. Ihr Weg ist daher der Weg mit dem Gesetz zum Maschiach. Und sicherlich, nicht als Bekenntnis irgendeines Glaubens, sondern als die Gewißheit meines Lebens weiß ich es mit den Huojlim, daß sie, wenn sie wirklich aufsteigen werden in aller Heiligkeit, daß sie den Maschiach auf die Welt führen werden und die Welt und sich erlösen. Darum, wenn ich dies als den Wesensgehalt der Schrift Birnbaums betrachte, dann grüße ich sie mit schlichtem Ja. Aber zu solcher Heiligkeit den Weg finden, das kann nicht gelingen, wenn man an den Umzäunungen des Gott-gegebenen Gesetzes herumgeht und herumbaut, sich gar von einer bestellten Hüterschaft herumführen und herumbauen läßt. Wohl Erfüllung der Gott-gegebenen Gesetze, aber nicht Verrammelung dieser Weiser durch noch mehr als 613 Gebote und Verbote! Und diesen Weg des Heiles wird nicht der Blick finden, der das jüdische Volk als Material ansieht, nicht dieser äußerliche und darum heidnische Blick! Die Schau des Jeschurun muß den Weg weisen und nicht die Sorge um den kommenden Tag des Jisrael. Zwei Fragen habe ich mir hier gestellt, denn die Schrift Nathan Birnbaums zwingt sie hervor. Ist der Weg der Huojlim der, der dem Maschiach freie Bahn macht und: k.ann ich den Weg der Huojlim gehen? Der Weg der Huojlim wird dann allein der Weg sein, der dem Maschiach die Bahn frei macht, wenn ihnen die heidnischen Blicke, die nach Glaubenshüterschaft rufen, in der Schau des Jeschurun versinken werden, denn sie suchen den Weg der Heiligung, und alle Wege der Heiligung führen dem Maschiach entgegen. Für die Legitimität der Huojlim besagt dies wenig. Doch glaube ich nicht, daß es einen Weg der Heiligung geben kann, der nicht auch Erfüllung des einen