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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 707

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Vierhundert Jahre türkisches Palästina
Date
1917-01-01
Page
707 (sequence 6)
Language
German
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Vierhundert Jahre türkisches Palästina 707 nischeBewegungvonSabbataiZewiinsich,die die Regierung veranlassen durfte, gegen sie so, rigoros vorzugehen, ihren Führer' bis zur Verzweiflung und zum Verrat zu verhetzen, ihre bedeutendsten Männer in den Kerker zu schleudern und sie selbst in Bausch und Bogen auszumerzen? Die religiös-mystische Ideenwelt dieser Bewegung kann nach Belieben eingeschätzt werden. Für die Entwicklung Palästinas hätte sie sicher der Anfang einer goldenen Ära werden können. In allen Enden der Welt waren damals Judenscharen zerstreut, die so fest wie niemals entschlossen bereit standen, all ihr Vermögen und ihre Geistesschätze rückhaltlos diesem Lande zu weihen. Ein vernünftiger Schritt seitens der türkischen Regierung hätte aus dieser großen ekstatischen Bewegung ein Glück für das Judentum und einen Segen für Palästina erwachsen lassen können. Da trat aber das Mißtrauen an die Stelle der Einsicht, und die Bewegung artete in Verzweiflung und Unheil aus. Dieses Gespenst einer messianischen Gefahr hat noch lange der türkischen Verwaltung vorgeschwebt und jede Bemühung des Judentums, eine großzügige Übersiedlung nach Palästina zu bewerkstelligen, zur Fruchtlosigkeit verurteilt. Als im Jahre 1700 eine Schar religiös-mystischer Palästinaträumer unter der Leitung des asketisch-frommen Rabbi Juda Chassid und des Chaim Mehalech einen eigenartigen volkstümlichen „Aufstieg" nach Palästina unternahm und einflußreiche Autoritäten der Diaspora ihnen Hilfe und Fürsorge versprachen, da genügte es, daß die Häuptlinge des alten Jischuws in Jerusalem, die Grund hatten, mit den Neuangekommenen unzufrieden zu sein, die entsprechenden Stellen darauf aufmerksam machten, daß die Einwanderer Anhänger des bereits längst verstorbenen Sabbatai Zewi seien, um diese ganze aussichtsreiche Bewegung im Keim zu ersticken und die aufopferungsvollen „Aufsteigenden" aus dem Lande ihrer Sehnsucht zu verjagen. Selbst die harmlose Chalukka konnte nicht immer von diesem Gespenst verschont bleiben. Und waren nicht Verdacht und Mißtrauen einerseits und politische wie wirtschaftliche Rückständigkeit andererseits auch die Haupthindernisse, gegen die der neue Jischuw und selbst der Zionismus in der Türkei zu kämpfen hat? So wuchs im Verlaufe dieser vier Jahrhunderte der türkischen Herrschaft die Zahl der jüdischen Bevölkerung Jerusalems von 1500 auf 60000, aber die Prozentzahl der wirtschaftlich produktiven Elemente unter ihnen nahm eher ab als zu. Das Interesse des Judentums für das Schicksal der Siedlung in Palästina, das zum Beginn der türkischen Herrschaft fast nur auf die Juden des Orients sich beschränkt hatte, ergriff während dieser türkischen Epoche das gesamte Volk, drang in die entferntesten Schichten der jüdischen Zerstreuung ein und — entartete in der Chaluka. Die Chaluka! Ein Sinnbild ist sie dieser ganzen türkischen Zeit, in der sie entstanden, groß gewachsen und zum volkstümlichsten aller jüdischen Hilfswerke geworden ist. Ein Sinnbild des Willens des Judentums, in Palästina um jeden Preis einen Hort zu errichten, des Wohlwollens der Türkei der Judeneinwanderung und der all jüdischen Fürsorge für diese Eingewanderten gegenüber, aber auch der Machtlosigkeit der beiden, aus ihrem Wollen und Wohlwollen wahrhaft Lebensfähiges zu schaffen. Der gegenwärtige Augenblick, der schicksalsschwer für die politische Zukunft Palästinas ist, findet wieder ein Judentum, das um seine alte Heimat vereint und fest entschlossen ist, seine besten materiellen und geistigen Kräfte diesem Lande zu weihen. Wird diese neue Bereitschaft dem Schicksal der früheren entzogen werden? Wird die souveräne Macht erkennen, daß der Besitz Palästinas zugleich die Beherrschung all der jüdischen Kräfte und Schätze bedeutet, die in

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