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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 705

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Vierhundert Jahre türkisches Palästina
Date
1917-01-01
Page
705 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Vierhundert Jahre türkisches Palästina TOS angewiesen ist? Hatte das Judentum seiner, Hoffnung die Treue nicht bewahrt, oder hatte die türkische Regierung später ihre Stellung zu den Juden geändert? Weder das eine noch das andere. Im Verlauf dieser ganzen vier Jahrhunderte gab es im Judentum keine Bewegung von Bedeutung, die nicht in den „Aufstieg" nach Palästina gemündet hätte: Kabbala, Sabbatianismus, Chassis dismus aller Hauptschattierungen, Misnagdismus uud das Judentum der nationalen Renaissance. Alle diese Bewegungen suchten so oder anders, ihrem inneren Geistesgehalt gemäß, eine Festung in Palästina zu errichten, von der aus die Wirkung auf das gesamte Volk ausgehen sollte, und jede dieser Richtungen des Gesamtjudentunis hinterließ eine besondere Schicht in der jüdischen Siedlung Palästinas. Ja, sogar die Assimilation der neuesten Zeit wollte auf die Betätigung in Palästina nicht verzichten. (Alliance Israelite, Hilfsverein usw.) Niemals war das Judentum in allen Stadien seiner Entwicklung so palästinozentrisch orientiert wie gerade im Verlauf dieser vier Jahrhunderte der türkischen Herrschaft. Und die Stellung der türkischen Regierung? Sie blieb im Verlauf dieser ganzen Epoche unverändert. Die judenfeindlichen Ausschreitungen — die wohl in keinem Lande der Zerstreuung ausgeblieben sind und die zur Zeit der Janitscharen in der Türkei besonders häufig vorkamen — wurden stets von der Regierung verdammt. Selbst die Judenemanzipation ging hier ohne all die erniedrigenden Für- und Gegenkampagnen ab, die für jede Emanzipation der Juden im 18. und 19. Jahrhundert charakteristisch sind. Ein Beschluß des Friedenskongresses, die Rajah — die nichtmuselmännische Bevölkerung —. sei gleichberechtigt vor dem Gesetz, genügte, um die bürgerliche Emanzipation der Juden im Lande als vollbracht zu betrachten. Während der Blutbeschuldigungen zu Damaskus und Rhodus (1840) ergriff die Zentralregierung in Konstantinopel entschieden die Partei der mit Füßen getretenen Wahrheit. Soweit es nur ihre Kräfte erlaubten, schützte sie die Juden auch während der Ritualmordverleumdung in Haifa (1864), während der Repressalien der Gouverneurs in Saloniki und Bagdad (1866) und während der judenfeindlichen Unruhen in Smyrna (1873). Stets blieb die türkische Regierung den Traditionen der Toleranz treu. Warum gelang es aber trotzdern nicht, aus diesem ununterbrochenen Interesse der Judenheit an Palästina und dieser unveränderlich wohlwollenden Stellung der Türkei zu den Juden Großes und Dauerndes hervorzurufen? Warum blieb das Judentum trotzdem heimatlos, und weshalb liegt Palästina in seinen weitaus größten Teilen noch bis heute öde und unerschlossen? Anscheinend reichten diese positiven Momente nicht aus, um das große Werk, das das Glück des Volkes und des Landes bedeuten würde, zu vollbringen. In der Tat machten sich auch andere Faktoren geltend, die den erwähnten fördernden entgegenwirkten. Die Türkei war politisch und wirtschaftlich rückständig. Was die europäische Türkei betrifft, so stellten schon manche Forscher fest, daß die Korruption der türkischen Janitscharen-Wirtschaft am meisten an der Tatsache Schuld trug, daß die Einwanderung der spanischen und portugiesischen Juden hier nicht die wirtschaftlichen Resultate zeitigte wie z. B. in Holland oder Italien. Viel schlimmer aber lagen die Verhältnisse in der weiten kleinasiatischen Provinz. Die Zentralregierung von Konstantinopel hatte ihrerseits nichts getan, um die begonnene Siedlung in Palästina zu fördern. Als im Jahre 1584 in Galiläa die Ernte schlecht ausgefallen war und die Eingewanderten einer förmlichen Hungers-

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