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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 704

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Vierhundert Jahre türkisches Palästina
Date
1917-01-01
Page
704 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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704 R. Salman: Waren nicht diese beiden Momente, die direkte Verbindung mit den jüdischen Massen und die Toleranz des Souveräns, die stärksten Voraussetzungen für jede jüdische Besiedlung Palästinas? In der Tat bedeutete der Beginn der türkischen Herrschaft in Palästina auch den Beginn einer Erneuerung des jüdischen Jischuws. Im Jahre 1495, also 22 Jahre vor der Eroberung Palästinas durch die Türkei, betrug die Zahl der jüdischen Familien in Jerusalem 200; im Jahre 1521, also 4 Jahre nach der Eroberung belief sie sich auf 1500 und später nahm sie noch schneller zu. Wichtiger als die Zahl ist aber die Zusammensetzung der jüdischen Siedlung. Einst waren es fast durchweg orientalische Juden aus den Nachbarländern, jetzt fand dort einReisender allerhand Juden vor, „deutsche, sef ardische, arabische und afrikanische". Von noch höherem Wert ist der wirtschaftliche Charakter der neuen Siedlung. Vorher waren es Pilger, die nach Palästina wallfahrten, um die heiligen Stätten zu besuchen, jetzt bevölkerten Kaufleute, Handwerker und Kolonisten das Land. Wie überall im 16. Jahrhundert bedeutete auch für Palästina die Einwanderung der spanischen und portugiesischen Juden den Beginn eines verheißungsvollen wirtschaftlichen Auflebens. Die reiche Responsenliteratur der palästinensischen Rabbiner wies noch nichts von einer Hilfsorganisation des Diaspora-Judentums zugunsten der armen Bevölkerung Palästinas auf, dagegen sind diese Responsen reich [an Tatsachen und Materialien, die das Bild einer weit verzweigten jüdischen Landarbeits-, Handels- und Gewerbstätigkeit in Palästina entrollen. Die Reisenden, darunter auch Kaufleute, die Palästina besuchten, berichteten über den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes, insbesondere Galiläas, von dem sie sich viel versprachen. Safed wurde zum Zentrum einer ausgedehnten Textilindustrie, die sogar mit Venedig die Konkurrenz aufnehmen konnte. „Wer Safed vor zehn Jahren gesehen hat,4* schreibt ein italienischer Reisender, der Kaufmann Jakob de Rossi im Jahre 1535 — „dem erscheint es wunderlich: die Zahl der jüdischen Einwohner wächst mit jedem Tag, die Kleiderkonfektion entwickelt sich ununterbrochen. . . Manche stellen diese Kleider viel besser als in Venedig her."*) Ungefähr das gleiche wird auch über das Städtchen Kana und Tiberias berichtet. Schnell erstand Palästina unter der unmittelbaren Wirkung der zurückgekehrten Juden zu neuem Leben und nahm eine führende Rolle im Judentum ein. Die Gelehrten und Rabbiner Palästinas begannen die Herstellung einer palästinensischen Hegemonie über das Rabbinerwesen der gesamten Zerstreuung zu planen. Safed wurde zu einem Geisteshort der Kabbala, die die Ideenwelt der ganzen Diaspora in ihren Bannkreis riß. Wieder zogen junge jüdische Pilger nach Palästina, nicht mehr bloß um heilige Stätten zu besuchen und an den Gräbern der Toten zu trauern, sondern um lebendige Meister anzuhören und für sich und für ihre Landsleute ein neues Gotteswort zu vernehmen. Palästina; das als herabgekommene Kolonie bis jetzt abseits der Heeresstraße der jüdischen geschichtlichen Entwicklung Jag, wurde plötzlich [zum Geisteszentrum des ganzen Volkes. Warum aber war diesen vielverheißenden Ansätzen nicht das Gedeihen beschieden? Warum verschwand die Hegemonie Palästinas ebenso rasch wie sie entstanden war, warum verdorrten so schnell die wirtschaftlichen Wurzeln der jüdischen Einwanderung, und warum mußte die ökonomisch gefestigte jüdische Siedlung durch einen Jischuw abgelöst werden, der auf die Almosen der Diaspora *) Veröffentlicht durch Prof. D. Kaufmann in The Jewish Quarterly Review IX, Aprtt 1897, S. 495ff.

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