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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 697

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Von jüdischer Prophetie und Mystik
Date
1917-01-01
Page
697 (sequence 6)
Language
German
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Von jüdischer Prophetie und Mystik 697 O Rabbi, lehre mich einen Abschnitt in Maasse merkaba. Antwortet Rabbi Jochanan: Habe ich dir nicht bereits gesagt, daß ein Einzelner in Maasse merkaba nicht eingeweiht werden darf, er sei denn ein Weiser, der selber errät? Sagt Rabbi Eleasar: 0 Rabbi, verstatte mir, einen Abschnitt in Maasse merkaba, den du mich bereits gelehrt, vor dir zu wiederholen. Antwortet Rabbi Jochanan: Sprich! Im selben Augenblick stieg Rabbi Jochanan ben Sakkai vom Esel, hüllte sich tief in seinen Mantel ein und setzte sich auf einen Stein unter einem Ölbaum nieder. Fragt Rabbi Eleasar: Rabbi, warum stiegest du vom Esel ab? Sagt Rabbi Jochanan: Denkst du es möglich, daß ich den Esel ruhig weiter reite, während du Maasse merkaba predigst, die Schechinah unter uns weilt und Dienstertgel uns Geleite geben? Da begann Rabbi Eleasar ben Arach Maasse merkaba vorzutragen. Ein Feuer stieg vom Himmel nieder, umkreiste die Bäume rings herum und die Bäume begannen Gotteslieder zu singen. Es war dies — so fährt R. Jehoschua zu erzählen fort — im Hochsommer, da verdunkelten plötzlich dichte Wolken den Himmel, ein gewaltiger Strahl brach sich mitten hindurch Bahn und es war anzuschauen, wie ein Regenbogen in Wolken, und die heiligen Dienstengel versammelten sich lauschend, gleich Menschenkindern, die sich sammeln, um die Lustbarkeiten eines Hochzeitsschmauses zu begaffen." Jossef del Medigo, der in seinem Mazref lachochmah*) diese Agada zitiert, schließt mit der Bemerkung: „Wurde Ähnliches etwa beim Vortrag eines Aristoteles, Ibn Sanehs, Ibn Raschids, Alexanders (von Aphrodisia), Themistius, Johannes Grammaticus auch bemerkt? Die Weisen der Völker befassen sich ihr Leben lang mit ihren Dingen, und doch bewegt sich ihrethalben kein Vogelflügel." Dies schreibt Jossef del Medigo, der nichts „so sehr beklagt, als zwei Dinge: daß das Griechische, wie es von unseren Landsleuten nunmehr gesprochen wird, nicht dasselbe der Antike sei" usw. Ein Mann, der auf der Höhe der damaligen Philosophie und Wissenschaft stand, dem die griechische Philosophie und der jüdische, arabische, christlich-scholastische Gedanke wie selten einem seiner Zeitgenossen vertraut war. Dieser klare Geist und unbefangene Denker von stark rationalistischem Einschlag findet in der Wissenschaft und Philosophie keine Befriedigung und gibt sich sodann ganz der Kabbala und Mystik hin, in denen er endlich sein Heil findet. Seine Apologie der Kabbala ist trotz der Tatsache, daß sie von einem Gönner angeregt entstanden ist, aufrichtig gemeint. Die das Gegenteil behaupten, sollte der Umstand, daß er später selber kabbalistische Bücher schrieb, eines besseren belehren. Der Sohar schildert die mystische Erleuchtung**): „Gleich einer im Innern *) Basel 1628. **) Nach der Übersetzung von D. H. Joel. H«ft xo/n. 47

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