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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 681

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Jüdische Jugendgärten
Date
1917-01-01
Page
681 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Jüdische Jugendgärten 681 besonders geeignet, das Interesse und damit auch meist die Liebe für die Tierwelt zu erwecken. Neben einer bescheidenen Imkerwirtschaft, die keinerlei Schwierigkeiten bereiten wird, wäre auch Geflügelhaltung erwünscht, aber diese wird sich voraussichtlich nur dort durchführen lassen, wo dauernd eine Hilfskraft nur für diesen Zweck zur Verfügung steht. Wird in den Jugendgärten mit fröhlichem Ernst Arbeit geleistet, so muß diese unserer Jugend eine Gesundkur für Körper und Seele werden. Die Arbeit an der Scholle erzieht zur Bedächtigkeit, zur Geduld und zur Ausdauer, sie ist ein Heilmittel gegen die Unrast, die kein Verweilen kennt. Sie vermittelt die wertvolle Bekanntschaft naturgegebener Realitäten. Schon der Umgang mit dem Gartengerät, so äußerlich die Angelegenheit auch erscheint, hat seine wichtige geistige Komponente. Welche Quelle reinster Freude kann die Beobachtung des Keimens und der Entwicklung der Pflanzen werden. Hier sind Erlebnisse möglich, die, so unscheinbar sie auch sein mögen, für den Empfänglichen Offenbarungen von tiefgreifender Wirkung werden können. Welch stolze Freude, wenn es gelungen ist, dem Boden einige Früchte abzugewinnen; kaum ein anderes Gefühl ist für die Jugend stärker als das, welches produktive Arbeit begleitet. Wenig ist so geeignet, echte religiöse Kräfte zu entbinden, wie Arbeit an der Scholle, die in allen Phasen mit dem Herzen erlebt wird. Wer von unserer Jugend weiß in dieser Zeit der Entfremdung von der Natur etwas über die Bebauung des Bodens, über die Bedingungen, unter denen die Kulturpflanzen gedeihen, über die Mühen der Fruchterzeugung, die Kämpfe, die mit der Natur zu führen sind, damit sie ihren Ertrag gibt? All dies soll die Jugend durch den besten Anschauungsunterricht, die eigene Tat, kennen lernen, wenn auch nur in einem kleinen Ausschnitt. Eine Unsumme von privat- und nationalökonomischen Kenntnissen läßt sich bei kluger Leitung aus einem solchen landwirtschaftlichen Miniaturbetrieb gewinnen, ja, er kann wertvollen politischen Einsichten den Boden bereiten. Insbesondere halte ich eine warmherzige Anteilnahme an Fragen der jüdischen Kolonisation, wie sie nach dem Kriege brennend werden dürften, nahezu für ausgeschlossen für eine Gesamtheit, die der landwirtschaftlichen Daseinsweise innerlich so fremd gegenübersteht wie noch jetzt die westjüdische. Es erscheint mir die Annahme berechtigt, daß nach diesen Richtungen starke Impulse zu Korrekturen der Stellungnahme auf Grund der Wiederannäherung an die Scholle ausgehen werden. Rücken wir in der angegebenen Weise die Natur unserer Jugend näher, so wird sich vielleicht auch ein Ziel erreichen lassen, welches jetzt auf dem Wege einer mehr mit äußerlichen Mitteln arbeitenden und darum weniger wirksamen Propaganda erstrebt wird, das Ziel, die jüdische Jugend wieder in umfangreicherem Maßstab landwirtschaftlichen Berufen zuzuführen. Ich kann mir vorstellen, daß auch in Kreisen, welche jene Propaganda nicht ins Auge faßte, der Wunsch aufkeimen wird, die wirtschaftliche Zukunft häufiger an die Scholle 2u binden. Die Bewirtschaftung der eignen Scholle kann den Juden mit einem Ruck von all den drückenden und seine Auswirkung einengenden Bedingungen befreien, denen er jetzt selbst in den freiesten Berufen unterworfen ist. Daß es möglich sein wird, in Deutschland Juden landwirtschaftlichen Großbetrieben anzupassen, halte ich aus mannigfachen Gründen für unwahrscheinlich, für sehr wohl denkbar dagegen die Befreundung mit gärtnerischen Betrieben. Der Heft iq/xi. 46

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