Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Jüdische Jugendgärten
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 680 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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David Katz: kürzerer Zeit zu erreichen ist. Von vornherein ist auch die Aufmerksamkeit auf die bequeme Wasserbeschaffung zu richten. Das Land ist so zu parzellieren, daß die Wünsche aller sich Meldenden befriedigt werden können. Die einzelnen Parzellen brauchen durchaus nicht groß zu sein; schon 50—60 Quadratmeter werden dem Anfänger, will er den Boden nur gut betreuen, Arbeit genug bereiten und ihm andererseits genügend Gelegenheit zur Entfaltung seiner Individualität bei der Bebauung bieten. Für die Parzelle ist ein Pachtzins zu erheben, der so zu bemessen ist, daß nicht nur die Gesamtpachtsumme dadurch gedeckt wird, sondern auch die gemeinsamen Unkosten bestritten werden können, die aus der Bewirtschaftung des Bodens entstehen. Jedenfalls wird der Pachtzins, der sich in bescheidenen Grenzen halten kann, bereitwillig getragen werden, um so mehr, als er ja ganz sicher durch den Bodenertrag mehr als aufgewogen werden wird. Es ist dabei die ungünstigste Annahme gemacht, daß die Jugendgärten sich finanziell selbst werden tragen müssen; es ist aber wohl damit zu rechnen, daß von den Gärten eine werbende Kraft für Stiftungen auch von privater Seite ausgehen wird. Zweckmäßigerweise wird das gepachtete Grundstück eine Einfriedigung erhalten. Notwendig ist der Bau eines Geräteschuppens sowie einer größeren oder mehrerer kleinerer Lauben zur Erholung in den Arbeitspausen und nach der Arbeit. Diese Einrichtungen dienen dem Interesse der Gemeinschaft und sind demgemäß auch zu deren Lasten auszuführen. Eine Angelegenheit der Gemeinschaft ist auch die Versorgung mit Düngemitteln. Die Anschaffung des notwendigen Gartengeräts, dessen Kosten sich in niedrigen Grenzen halten lassen, wird zweckmäßigerweise dem Einzelnen überlassen. Manche werden der gemeinsamen Anschaffung von Gerät sowie auch der gemeinsamen Bebauung von einer oder mehreren Parzellen den Vorzug geben. Auf dem Boden gemeinsamer fröhlicher Arbeit können echte Kameradschaften erblühen. An jedem Ort wird sich unschwer ein Gärtner finden lassen, der fürs erste die Einrichtung und fachliche Leitung der Gärten zu übernehmen vermag, bis aus den Teilnehmern selbst fachkundige Führer herangebildet sind. Für größere Gärten wird sich vielleicht sogar die Anstellung eines eignen Gärtners ermöglichen lassen, zumal wenn man ihm ein Stück Land zur Selbstbewirtschaftung wird einräumen können. Der praktischen Unterweisung der Anfänger hat theoretischer Unterricht parallel zu gehen, eine theoretische Einführung wird am besten in einem während des Winters stattfindenden Kursus absolviert. Wer die Bebauung einer Parzelle übernimmt, hat sich zur getreuesten Arbeit an ihr zu verpflichten. Es sollte nicht nötig sein zu sagen, daß eine jede am Boden notwendige Verrichtung in eigner Person zu leisten ist, selbst wenn bei Arbeiten wie Düngen und Jauchen der Neuling eine gewisse — dem Ästheten hervorragend gesunde — Selbstüberwindung wird aufbringen müssen. Spielerei oder Kokettieren mit der Arbeit wird nicht geduldet. Aus praktischen Gründen soll in erster Linie der Gemüsebau betrieben werden, daneben sei auch der Blumenzucht ein gewisser Raum zugestanden. In mehrfacher Hinsicht wäre die Aufstellung einer Anzahl Bienenstöcke in den Gärten erwünscht. Wir sind ja der Natur nicht nur, soweit die Pflanzenwelt in Betracht kommt, entfremdet, sondern auch und vielleicht in noch höherem Maße ihrer Tierwelt. Ja, bei vielen geht hier die Entfremdung bis zu einer instinktiven Abneigung, an deren Überwindung uns gelegen sein muß. Die Beobachtung staatenbildender Tiere wie der Bienen mit ihren rätselvollen Einrichtungen ist