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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 682

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Jüdische Jugendgärten
Date
1917-01-01
Page
682 (sequence 5)
Language
German
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682 R. Bernstein-Wischnitzer: Gartenbau, der individualisierenden Neigungen eine größere Entfaltungsmöglichkeit bietet, liegt auch zweifellos dem Charakter des Juden mehr. Der Gartenbau bietet einem beweglicheren Geist ein dankbareres Arbeitsfeld. Die längere Ruheperiode während der winterlichen Monate bietet dem jüdischen Gärtner Zeit, seinen Bildungsdrang zu befriedigen. Vielleicht ist es dem Juden vorbehalten, der Welt den Typus des Landwirts zu schenken, der zugleich Gelehrter oder Forscher ist Nicht zuletzt erwarte ich von der Arbeit in den Gärten eine Vertiefung spezifisch jüdischer Werte. Unser Schrifttum behandelt zu einem ganz wesentlichen Teil die Geschichte eines mit der Natur lebenden Volkes. Welch ungewöhnliche Situation, daß die Nachfahren dieses Volkes der Natur in dem nun bestehenden Maße entfremdet sind. Was bis dahin aus der Geschichte des Volkes an Motiven, die der Bebauung des Bodens entnommen sind, mehr in schemenhafter Weise erfaßt wurde, wird für den, der die Arbeit an der Scholle kennen gelernt hat, eine volle blutwarme Einlösung durch das Erlebnis selbst finden können. Das Naturgefühl, das so viele Psalmen durchzieht, wird zu uns ganz anders sprechen, wenn wir wieder den Erdgeruch genossen haben, und die alten Gebete mit ihrem Reichtum an der Natur entlehnten Bildern und Gleichnissen werden sich mit ihrer ganzen inneren Schönheit und elementaren Kraft offenbaren. Unsere Feste, die nach Sinn und Gehalt in der Natur verwurzelt sind, können in den Herzen einer der Natur wiedergewonnenen jüdischen Jügend eine ungeahnte Auferstehung feiern. Dürfen wir nicht hoffen, daß die jungjüdische Gemeinschaft für die alten ehrwürdigen Inhalte dieser Feste neue schöne Formen finden wird, indem sie sie wieder an die Gezeiten der Natur anknüpft? Auf Entwicklungsmöglichkeiten dieser Jugendgärten einzugehen unterlasse ich, solange diese selbst noch Zukunfshoffnungen sind. Möchte doch die vorstehende Anregung ein offenes Gehör finden und die Schöpfung der Gärten einen Schritt weiter bedeuten auf dem Wege der Gesundung unserer Jugend. Im Felde David Katz ALTE FRIEDHOFSKUNST Die künstlerische Würdigung unserer alten Friedhöfe steht weit hinter der geschichtlichen zurück. Während die sozialpsychologische Ausbeute der Epitaphien in stetem Wachsen begriffen ist, steckt das Wissen um unsere Grabmalkunst in seinen Anfängen. Die Schicksale der unter den steinernen Platten Ruhenden werden uns immer vertrauter, die Toten erheben sich aus den Gräbern, der Prager Friedhof läßt seltsame Gestalten aufsteigen — den Hohen Rabbi Low, die ergebene Gemeinde der Jünger, der Wiener Friedhof führt in die Mitte ehrgeiziger strebsamer Kaufleute mit wägendem Auge und grifffester Hand, der Gottesacker in Ouderkerk bei Amsterdam beschwört Männer mit schmalen Stirnen und kühngeschwungenen Brauen herauf, die nicht Elend und geduckte Rücken ins Exil brachten, sondern das gerade Rückgrat stolzer Geschlechter. Das Wort, das in die steinernen Platten eingegraben ist, wird lebendig, aber tot bleibt die Form, der monumentale Ausdruck der Pietät, gleichgültig die Aufgaben die dem Bildner vorgeschwebt haben, der schaffende Wille, die gefundenen Lösungen. Und je leichter die Grabschriften sich entziffern lassen, je müheloser sich das

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