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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 676

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Geschichte der "Zionsliebe"
Date
1917-01-01
Page
676 (sequence 7)
Language
German
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676 S. L. Zitron: unter der Oberleitung von Männern hoffen, die nicht einmal so viel Tätigkeit entwickeln, die Schmach des Eides more judaico zu beseitigen? Welche es trotz ihrer Scheinheiligkeit dem Belieben der Seelsorger kleiner Städte überlassen, die Soldaten vom Dienste an den Hochfeiertagen zu befreien? Welche die schädlichsten Verunglimpfungen unseres Volkes und unseres Glaubens durch Marr, Bruno Bauer und Konsorten einstecken, anstatt der gekränkten Wahrheit männlich das Wort zu reden? . . . Übrigens fehlt den qu. Männern in Berlin jede angemessene Kenntnis Palästinas und seiner verwickelten Verhältnisse . . [während] ich jahrelang die dortigen Persönlichkeiten, Zustände und Verhältnisse eifrig und sorgfältig studiert habe.*1 Der Sitz des Zentralkomitees müsse nach wie vor „im Orte der Gründung4* bleiben. Diese Proteste Lorjes hätten zwar wenig geholfen, weil die öffentliche Meinung mit Kalischer an der Spitze gegen ihn war. Aber inzwischen erkrankte Dr. Sachs und starb, und die Sache blieb in der Schwebe. Lorje erklärte darauf offen, er halte Sachs* Tod für ein Gotteszeichen, da man mit den Nachkommen der R. Jizchak Lurja nicht ungestraft Spaß treibe und eine Einrichtung, die unter dem Schutze des heiligen Rabbi Lurja stehe, nicht hin und her werfen dürfe. Von nun an wurde Lorje noch rücksichtsloser und nahm die Zügel der Leitung noch fester in seine Hände. Den höchsten Grad der Selbstsicherheit erreichte er, nachdem es ihm gelang, eine kleine Bodenfläche unweit Jaffa zu kaufen und dort fünf Kolonisten zu besetzen. Von dieser bescheidenen Tat sagte er, es sei die erste Stufe zur kommenden Erlösung. Es dauerte nicht lange, bis Lorje über seine eigene Person wilde, phantastische Gerüchte zu verbreiten begann; in verschiedenen Varianten wurde die Geschichte verbreitet, wie der heilige R. Jizchak Lurja ihm im Traume erschien und mitteilte, er, sein Urenkel, sei der von Gott gesandte echte Erlöser, der Vorläufer des Messias . . - Allmählich geriet der Mann in feurige Ekstase und begann öffentlich als Prophet aufzutreten, als „göttlicher Mann**. Es kam so weit, - daß er in Form eines Berichtes über die Tätigkeit der Frankfurter Gesellschaft ein Pamphlet veröffentlichte, das mit den Worten begann: „Als Propheten hat mich Gott aufgestellt! Und als Prophet rufe ich zu euch, Juden, im Namen Gottes: gebt uns zurück das heilige Land, den Boden unserer Ureltern; jeder Mensch, der auf mich nicht hört und sich nicht bemüht, in meinem Wege zu wandeln, ist ein Verräter an seinem Volke; ich habe diese Kugel (d. h. diese Bezeichnung) einem sehr angesehenen Manne ins Gesicht geschleudert — er hat es um kein Jahr überlebt.*4 Alle verstanden, daß diese zynische Andeutung gegen den verstorbenen Dr. Sachs gerichtet war, und das schlug dem Faß den Boden aus. Gegen Lorje brach ein starker Sturm los, sowohl von seiten der Frankfurter Mitglieder als auch in anderen Städten. Die Rabbiner Gutmacher und Kalischer zürnten heftig. Der „Hamagid" und die „Allgemeine Zeitung des Judentums" veröffentlichten scharfe Aufsätze gegen Lorje. Philippson benutzte diese Gelegenheit, um einige kritische Bemerkungen über die ganze Palästinasache fallen zu lassen. Der Redakteur des „Hamagid**, David Gordon, damals bereits ein begeisterter Vorkämpfer der Chibath Zion, äußerte sich öffentlich, nach seiner Meinung habe Lorje jetzt bewiesen, daß er nicht würdig sei, an der Spitze einer Gesellschaft zu stehen, die einem so erhabenen Zwecke zustrebt, den man nur mit großer Geduld, nicht aber mit Sturm und Drang, erreichen könne, nur mit Frieden und Liebe, nicht aber durch Schimpf und Fluch. Wenn dem Dr. Lorje

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