Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Zur Geschichte der "Zionsliebe"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 674 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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674; S. L. Zitron: den Mystizismus in der Person der Anhänger des R. Jizchak Lurja, die doch die >R.: Meir-Baal-haness-Legenden geschaffen haben. Dieser Widerspruch ist, wie alle anderen Gegensätze im Verhalten Lorjes, nur auf seine unbegrenzte Hingabe an den Palästinagedanken zurückzuführen. Die Frankfurter Gesellschaft nahm immer mehr zu. Sie hatte schon Zweigvereine in einigen deutschen Großstädten wie Berlin, Breslau, Leipzig, Hamburg, Posen. Lorje aber war mit alledem noch nicht zufrieden. Sein Sinn rastete nicht, fortwährend hegte er neue Pläne, wie die Palästinabewegung zu erweitern und auf welche Weise ihr die besten und größten jüdischen Kräfte Deutschlands und des Auslandes zuzuführen wären. Im Laufe der Zeit gewann er brieflich als Mitglieder der Gesellschaft Persönlichkeiten wie Sir Moses Montefiore, R. Nathan Adler, den Chief-Rabbi von England, Moses Hess und andere prominente Juden in Frankreich, Amerika, Afrika und Australien. Lorje machte auch in der Türkei und in Palästina selbst Stimmung für die Idee. In Adrianöpel wurde ein Zweigverein gegründet, der Chacham-Baschi von Jerusalem, R. David Hasan, eine der größten Autoritäten Jbei den Juden und den Mohammedanern Palästinas, drückte der Gesellschaft seine Zustimmung aus und versprach, ihr in der Verwirklichung ihrer Zwecke soweit als möglich behilflich zu sein. Lorje brachte es sogar fertig, daß die deutschen und österreichischen Konsuln in Palästina ihm versprachen, die jüdische Siedlung unter ihren Schutz zu nehmen. Er aber war noch immer mit sich nicht zufrieden und meinte, er tue wenig, man müsse noch mehr leisten. Fast jeden Monat wandte er sich an die jüdische Öffentlichkeit mit einem neuen Aufruf. Diese Aufrufe waren zwar mit großem Enthusiasmus geschrieben, erregten aber manchmal Anstoß durch ihren nervösen und gereizten Ton. In einem dieser Aufrufe z.B. warnt Lorje denjenigen, der seine „ergebene" Bitte nicht erfüllen würde, er lade damit eine schwere Sünde auf sich, für die er harte Strafe erleiden würde, laut dem Worte Gottes an den Propheten Jesaja. In einem zweiten Aufruf verwünschte er die Gegner der Palästinabewegung in den schärfsten Ausdrücken. Das waren aber, wie gesagt, nur Ausnahmefälle. Im allgemeinen waren die Aufrufe Lorjes sachlich verfaßt und gaben ein geeignetes Propagandamaterial für die Idee ab. Später begann Lorje Agitatoren nach den Provinzstädten zu schicken und reiste selbst nach manchen Orten. Je mehr aber der Gedanke sich ausbreitete, desto mehr Gegner und erbitterte Feinde entstanden ihm. Unter verschiedenen Bedingungen und Vorwäriden wurde Lorje samt seiner Gesellschaft bekämpft. Die Juden taugten nicht zu Erdarbeit, hieß es, der verwahrloste Boden Palästinas könne niemals fruchtbar werden, Palästina sei vor den Beduinen nicht sicher, zur Kolonisierung des Landes wäre das Vermögen eines Krösus erforderlich, der Ackerbau werde die Jugend dem Thorastudium entziehen, werde die Juden zum Freidenkertum, zur Ketzerei verleiten. Lorje ließ seinerseits keinen Einwand ohne Antwort, wobei seine Antworten stets treffend waren; nur war er in seiner Polemik oft etwas allzu schroff, ja er beschimpfte sogar zuweilen die Gegner und schonte die größten Autoritäten nicht. Doch, wenn es not tat, wußte er den Angegriffenen und Beleidigten um Verzeihung zu bitten. So hatte er einmal im „Hamagid" den bekannten Palästinaforscher Josef Schwarz, der sich in derselben Zeitung gegen die Tätigkeit der Frankfurter Gesellschaft aussprach, scharf angegriffen, ihn aber alsdann an Ort und Stelle um Verzeihung gebeten. Diese gesamte Arbeit nach innen und nach außen lastete allein auf Lorje.