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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 672

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Geschichte der "Zionsliebe"
Date
1917-01-01
Page
672 (sequence 3)
Language
German
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672 S. L. Zitron: kaufen seien und zu welchen Preisen. Über diese Mitteilungen führte Lorje eine besondere ständige Rubrik in den obenerwähnten Zeitschriften. In derselben Rubrik veröffentlichte er öfters Berichte über den Zustand der Gesellschaft, über ihre Arbeit in Galuth und in Palästina und manchmal auch den Inhalt von Zustimmungsbriefen zum Palästinagedanken, die er von verschiedenen berühmten Personen, besonders von großen Rabbinern, erhielt. Es ist von Interesse, etwas näher bei den Beziehungen der obenerwähnten hebräischen und deutsch-jüdischen Presse zum Palästinagedanken überhaupt und zur Frankfurter Gesellschaft insbesondere zu verweilen. Der „Hamag-id" Silbermanns, der später zum eifrigsten Kämpfer für die Zionsidee wurde, verhielt sich in den sechziger Jahren zur Sache abwartend. Bei der Veröffentlichung der ersten Nachricht über die Frankfurter Gesellschaft begleitete sie die Redaktion mit folgender Anmerkung: „Solange keine Ordnung in der Türkei herrscht, wo Andersgläubige verfolgt werden und ihres Lebens nicht sicher sind, würde sich doch niemand unterfangen; nach Palästina auszuwandern. Vielleicht wird mit der Zeit die Lage in der Türkei verbessert werden, dann wird sich dort etwas beginnen lassen." Der strengfromme „Israelit" wollte seinen Segen der Gesellschaft nicht geben, es sei denn, daß Lorje ihm vorher zwei Dinge verbürgte: erstens, daß die Kolonisten, die die Gesellschaft auf ihrem Boden ansiedeln würde, gottesfürchtige Leute sein sollten, die alle „vom Land abhängigen Gebote" erfüllen würden; zweitens, daß die Gesellschaft keine politische Färbung haben sollte. Auf die erste Forderung ging Lorje bald ein. Er teilte im „Israelit" mit, er bürge dafür, daß die Wahl der künftigen Kolonisten nach einem äußerst gesetzestreuen Programm bewerkstelligt werden würde; auf wem der geringste Verdacht der Nichtfrömmigkeit ruhte, würde keinesfalls angesiedelt werden. Was die zweite Forderung betrifft, zauderte Lorje ein wenig. Er konnte sich eine Volkssache ohne politisches Element nicht gut denken. Reaktionär oder progressiv, aber irgend eine Politik müsse ein Volk haben und führen. Schließlich aber gab er auch darin nach, und erst jetzt begann Dr. Lehmann die Frankfurter Gesellschaft zu beschützen und über sie Aufsätze und Nachrichten zu drucken. Im Innern blieb aber Lorje beim Seinigen. * Jedesmal, als er in den Zeitungen bekanntgab, daß an dieser oder jener Stadt ein Zweigverein der Frankfurter Gesellschaft gegründet worden sei, erachtete er es für nötig, der an sich unbedeutenden Tatsache hinzuzufügen, das Siegel des Vereins sei mit zwei jüdisch-nationalen Emblemen versehen: mit einem Magen-David auf der einen und einer Taube auf der anderen Seite. Philippsons „Allgemeine Zeitung des Judentums" verhielt sich zum Zionsgedanken gegnerisch. Die Zeitung war zu jener Zeit zwar nicht so assimilatorisch, wie sie heutzutage unter der Redaktion Ludwig Geigers ist, aber doch kosmopolitisch gestimmt. Trotzdem gewährte sie den Publikationen Lorjes stets Raum. Es kam vor, daß Philippson in seiner Zeitung manche Einwände gegen die Frankfurter Gesellschaft zum Abdruck brachte, aber jedesmal gab er dem Dr. Lorje die Möglichkeit, die Gesellschaft und sich zu verteidigen. Dr. Lorje verstand es, die Presse zweckmäßig und rationell auszunutzen. Den hebräischen „Hamagid", der von den Juden in allen Ländern der Diaspora, besonders in Rußland, gelesen wurde, benutzte er zur breiteren Agitation. Da pflegte er sich an die russischen Juden, die im wahrhaften Galuth lebten, mit scharfen Anklagen zu wenden, daß sie dem Zionsgedanken fernstünden, daß sie

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