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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 671

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Geschichte der "Zionsliebe"
Date
1917-01-01
Page
671 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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S. L. Zitron: Zur Geschichte der „Zionsliebe" 671 rechnung geirrt habe. Nun vertiefte er sich aufs neue in die Lehren seiner Ahnen, des R. Jizchak Lurja, in der Hoffnung, hier etwas über die Messiaszeit herauszufinden. Und da stieß er auf eine Andeutung, der Messias könne nicht eher kommen, als bis die Juden vom allgemeinen Verlangen beherrscht sein werden, nach Palästina zurückzukehren, um dessen Boden neu zu beleben, „nicht; zum Wohle ihres sündigen Fleisches, sondern um ihre Seele zu läutern, die durch die unreinen Galuthgedanken tief gesunken ist". Wenn dem so ist, — leuchtete es im Kopfe Lorjes auf, — so ist doch die Erlösung allein von uns Juden abhängig. Weshalb schweigen wir also, worauf wartet man? Je früher, desto besser für die Seele. Also kam Dr. Lorje endlich zur Chibath-Zion-ldee, der er sich von nun an mit Leib und Seele hingab. Von Natur energisch und arbeitsfreudig, ging Lorje sofort an die Arbeit. Vor allem wirkte er auf einige sehr angesehene Mitglieder seiner Gemeinde dahin, daß sie zusammen eine Gesellschaft zur Besiedelung Palästinas gründeten. Das war die erste je unter den Juden in der Diaspora entstandene, Gesellschaft zur Kolonisieiung Palästinas. In der Verwaltung dieser Gesellschaft zu Frankfurt an der Oder waren der orthodoxe Rabbiner Jaffe als Vorsitzender, Bankier Moritz Mende als Schatzmeister und Dr. Lorje als Schriftführer. Lorje verfaßte und verbreitete in Tausenden von Exemplaren in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands einen Aufruf über die Wichtigkeit der Besiedelung Palästinas und die Notwendigkeit, in jeder Stadt zweckentsprechende Vereine zu gründen. Der Aufruf war in prophetischem Stil geschrieben und mit Zitaten über die Erlösung, den Messias und Palästina durchflochten, die der heiligen Schrift, dem Talmud und den Midraschim, der gaonäisch-rabbinischen Scholastik, dem Sohar und anderen kabbalistischen Büchern der hebräischen Literatur des Mittelalters und vielen späteren jüdischen Schriften entnommen waren. Die berühmten Rabbiner R. Hirsch Kalischer in Thorn und R. Eljahie Gutmacher in Grätz lud Lorje in Sonderbriefen ein, sich an die neue Gesellschaft anzuschließen. Bezeichnend für seine Persönlichkeit sind die folgenden Worte in seinem Einladungsbrief an Gutmacher: „Dieser Tage kam ein alter frommer Jude aus der Türkei hierher, um unsere Gesellschaft kennen zu lernen, und der sagte mir, daß alle türkischen Juden feste Zuversicht hegen, unsere Gesellschaft werde mit Gottes Hilfe großen Erfolg zeitigen, um der Verdienste des heiligen R. Jizchak Lurja willen, der roir, seinem Sprößling, dem Begründer der Gesellschaft, beistehen wird." Im Brief an Kalischer beklagte Lorje, daß es ihm an der notwendigen Literatur für die Zwecke der Agitation mangelte. Das bewog Kalischer, sofort sein später populär gewordenes Werk „Drischath Zion" drucken zu lassen, wo er die Frankfurter Gesellschaft als Vorbild aufstellt und Dr. Lorje sehr würdigt. Der oben erwähnte Aufruf Lorjes machte, insbesondere in den frommen Kreisen, einen gewaltigen Eindruck. Von vielen angesehenen Persönlichkeiten *n verschiedenen Städten erhielt er Sympathiekundgebungen für den hohen Zweck der Besiedelung Palästinas und Beitrittserklärungen. Verzeichnisse der Mitglieder und der Beiträge pflegte Lorje ab und zu in Silbermanns hebräischem Wochenblatt „Hamagid" (Lyck), in Dr. Lehmanns Mainzer „Israelit" und in Ludwig Philippsons „Allgemeiner Zeitung des Judentums" zu veröffentlichen. Als sich die Gesellschaft vergrößerte, trat er in einen Briefwechsel mit bekannten Personen in Palästina, die ihm oft mitteilten, wie dort Juden und Nichtjuden in bezug auf die Besiedelung des Landes gestimmt seien, was für Bodenflächen zu

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