Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Zur Hechaluz-Bewegung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 640 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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640 Berl Katznelson: dies in den letzten Jahren in den sogenannten „Kwuzoth-Poaloth" (Arbeiterinnengenossenschaften) geschehen ist. Aber es gibt nichts Besseres als die Vorbereitung vor der Ankunft im Lande, Jede Arbeiterin, die ihr Fach beherrscht, wird ihren Platz und ihre Arbeit finden und den Arbeitskreis für ihre nachfolgenden Genossinnen erweitern. Pionierinnen, die die Wichtigkeit der Arbeiterernährung verstehen und Neigung dafür haben, sollten sich diesem Fache zuwenden, um sich in öffentlichen oder Genossenschaftsküchen oder innerhalb der Familien zu betätigen. Sie dürfen sich nicht mit den wenigen Kenntnissen begnügen, die sie zu Hause erworben haben. Es ist erforderlich, daß sie sich in der Hauswirtschaft und der hygienischen Kochkunst ausbilden, sich das Wissen, die Kenntnisse und dabei auch die erforderlichen technischen Fertigkeiten aneignen. Hauswirtschaft und Kochkunst sind unter den Verhältnissen, unter denen die palästinensischen Arbeiter leben, ein gar mühseliges Fach, das mannigfache Schwierigkeiten in sich birgt und energische befähigte Pionierinnen mit viel Geschmack und Verständnis erfordert Nicht einmal seelische Befriedigung ist da immer zu erwarten. Zuweilen verschafft dieser verantwortungsvolle Beruf nur Ärger und Verdruß. Der Mangel an technischem und organisatorischem Können, die Fremdartigkeit und die Härte der Umgebung, zuweilen auch der Drang nach Betätigung auf freiem Felde, lassen diese Arbeit noch mehr als Last erscheinen. Da gilt es, Menschen zu finden, die geeignet sind, selbst unter diesen Bedingungen Tüchtiges zu leisten. Die Gesundheit der Arbeiter und Arbeiterinnen, das Familienleben, das Los der Kinder, machen es uns zur Pflicht, hier viel, sehr viel Arbeit aufzuwenden. Und es ist erst wenig, sehr wenig geschehen. Man macht sich außerhalb Palästinas keinen Begriff davon, was die praktische Vorbildung für uns bedeutet. Man kann nicht genug für sie eintreten, nicht genug an sie mahnen. Sie wird uns Leidensjahre ersparen. Diejenigen, die zugleich mit ihrem „Talent für Palästina" eine genügende praktische Ausbildung mitbringen, werden ein leichtes Los haben und dem Lande und der Arbeit zum Segen gereichen; sie werden hier bald Fuß fassen, sich ohne Schwierigkeit die Erfahrung im Lande zunutze machen, neue Betriebe eröffnen helfen, alte Gebiete ausbauen und neue erschließen. II. D$s Studium der hebräischen Sprache. Den Pionieren, die keine jüdische Erziehung genossen haben, darf die Erlernung der hebräischen Sprache keine bloße gute Absicht, kein frommer Wunsch, keine Zukunftsmusik sein, sondern ein kategorischer Imperativ, eine persönliche Pflicht, deren Erfüllung der Ansiedlung im Lande vorangehen muß. Nicht nur um der Sprache und des Landes willen, sondern seinem persönlichen Leben zuliebe. Es ist nötig, daß den Chaluzim die Überzeugung beigebracht werde: Mangel an Kenntnis der hebräischen Sprache bringt den Neusiedler in eine prekäre Lage. Das kulturelle Leben des Landes bleibt ihm verschlossen; mit den Juden des Orients, mit der Kinderwelt kann er sich nicht verständigen, das Buch, die Zeitung, die sich mit dem Alltagsleben, das er mitlebt, beschäftigen, die öffentlichen Versammlungen sind ihm unzugänglich. Gar viele Erscheinungen des Lebens gehen ihm verloren, sein Gesichtskreis verengt sich und seine Auffassungskraft stumpft sich ab. Da kann von einem tiefen Wurzelfassen im Lande nicht die Rede sein. Dazu kommt, daß der Mangel an Kenntnis der Sprache eine Scheidewand innerhalb der Arbeiterschaft aufrichtet, sie in Gruppen spaltet, Anlaß zur Trennung, Entfremdung und Mißverständnissen gibt, die das Leben unerträglich machen. Dieser Zustand kann