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Der Jude · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. 639

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Hechaluz-Bewegung
Date
1927-01-01
Page
639 (sequence 5)
Language
German
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Zur Hechaluz-Bewegung. 639 körperliche Kräfte für die Landwirtschaft nicht ausreichen, können es in der Bienen- und Geflügelzucht, in allen Zweigen der Gartenwirtschaft, in der landwirtschaftlichen Technik usw. zu großer Vollkommenheit bringen. Die Möglichkeit, sich die Anfangsgründe der Landwirtschaft anzueignen, wird uns in allen Ländern geboten: in Amerika, Galizien, Deutschland, Holland, selbst in Polen und Rußland. Die Gelegenheiten sind viel zahlreicher, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. Jede Stadt ist von Dörfern und Gütern umgeben: Schulen und Farmen für die nicht jüdische, zuweilen auch für die jüdische Bevölkerung gibt es ebenfalls in jeder Umgebung. Sobald der Städter nur das Weichbild der Stadt verläßt, hat er Obstgärten, Baumschulen, Gemüsegärten, Molkereien, Bienenstöcke, landwirtschaftliche Schulen vor sich. Es gibt überall Arbeit und überall von wem zu lernen. An vielen Orten bestehen auch praktische Kurse. Es gehört nur ein wenig Mut dazu, sich der Sache zu nähern, mit ihr zu beginnen. Die Sache ist naheliegend, nur daß der jüdische junge Mensch all dem fremd gegenübersteht und Angst davor hat, ihm näherzutreten. Von der jüdischen Jugend darf man selbstverständlich auch erwarten, daß sie zugleich mit der praktischen Arbeit, mit dem Trainieren von Muskeln und Händen sich auch die Spezialliteratur aneignen und sich auch sonst bestreben wird, es in ihrem Fach zur Vollkommenheit zu bringen. Sie wird trotzdem in Palästina noch viel von der Praxis zu lernen haben. Nicht Flickarbeiter, denen das Fach Bagatelle ist, brauchen wir im Lande, ebenso wenig Leute, denen die Kolonisation Palästinas ein frommer Wunsch ist, sondern Menschen, denen die Arbeit ein Teil ihres Lebens ist, der sie alle ihre Fähigkeiten und ihre Energie weihen, Menschen, die darnach streben, in ihrem Leben ihre Arbeit und ihre seelischen Bedürfnisse zu vereinen. Menschen, die wissen, daß der Fortschritt der Arbeit eine der Hauptgrundlagen des neuen Lebens ist und den Fortschritt der Kolonisation wie den Fortschritt des Siedlers bedeutet. Ich will mich hier über diese Dinge nicht verbreiten, da ich nicht glaube, daß Worte für die, die außerhalb der Arbeit leben, ausreichen werden, andererseits aber hoffe, daß diejenigen, die zu uns kommen und in die Arbeit eintreten, es aus sich selbst, aus ihrem Leben heraus in aller Tiefe und Breite verstehen werden. Diese Ausführungen sind nicht nur an die Jungmannschaft des Hechaluz, sondern auch an die Pionierinnen gerichtet. Viele der Arbeitgebiete, die hier aufgezählt sind, entsprechen der körperlichen Kraft der Frau, ihren Fähigkeiten und ihrer Lebensbestimmung. Einige sind geradezu als Hauswirtschaft zu bezeichnen. Vor- und Ausbildung in einem dieser Gebiete ist geeignet, die Lage der Arbeiterin, vielleicht noch mehr als die des Arbeiters zu verbessern. Dem Arbeiter, auch dem ungelernten, steht mancher Weg offen: Rodung, Entsteinung, die verschiedenen Meliorationen, auch Pflugarbeiten und noch viele viele andere, die den Ungelernten mit der Arbeit vertraut machen, durch die er allmählich zu einer landwirtschaftlichen Ausbildung gelangt. Diese Arbeiten aber entsprechen nicht den körperlichen Kräften der Arbeiterin; ihr Arbeitsgebiet ist daher viel beschränkter. Da überdies die Zahl der Wirtschaften, die sich mit Gemüseanbau, Geflügelzucht u. dergl. den Arbeiterinnen offenstehenden Gebieten abgeben, nicht mehr zahlreich ist, ist die Lage der Arbeiterin eine sehr schwierige. Gegen diesen Mißstand läßt sich viel tun und ist auch zum Teil im Land bereits manches getan worden, indem man Arbeiterinnen in die bestehenden Wirtschaften aufgenommen, fernerWirtschaften geschaffen hat, die die Heranbildung der Arbeiterin bezwecken, wie

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