Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Zur Hechaluz-Bewegung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 641 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Hechaluz-Bewegung 641 zuweilen Jahre dauern. Denn es darf nicht übersehen werden, daß, wer seiner Arbeit lebt, dieser seine ganze Kraft und Energie widmen muß und nur wenige Mußestunden genießt Wer sich damit begnügt, etwas Hebräisch radebrechen zu können, wird sich vielleicht bald am Ziele sehen. Aber wer größere kulturelle Ansprüche stellt, wer sich mit jenem oberflächlichen sinnfälligen Erfassen des Lebens, zu dem Hebräisch nicht notwendig ist, nicht abzufinden vermag und die Sprache mit der gleichen Gründlichkeit erlernen will wie jede andere Kultursprache, wird schwere seelische Leiden auszustehen haben. Die allmähliche und lückenhafte Erlernung der Sprache nimmt ihr jeden Reiz und tötet den Willen und das Vertrauen auf eine genügende und vollkommene Beherrschung der Sprache» Nur die Wenigen, die mit besonderer Sprachfähigkeit und Sprachwillen begabt sind, bringen es unter den hier herrschenden Zuständen weiter. Denn man darf nicht übersehen, daß hier die meisten Bedingungen fehlen, die dem Neuankömmling zur Erlernung der Sprache verhelfen. Die hebräische Sprache ist nicht Landes- und Regierungssprache, auch nicht die Sprache des Handels, der Industrie und der Agrikultur. Sie lebt nur im Munde der Kinder und gewisser Kreise, die sich ihr widmen. Hier fehlt es auch fast gänzlich an einer organisierten Tätigkeit für die Verbreitung der hebräischen Sprache und Erleichterung ihres Studiums. Selbst jene Kreise, die das kulturelle Leben des Landes beherrschen, haben fast noch nichts dafür getan. Denn — man muß die Wahrheit gestehen — die organisierte kulturelle Tätigkeit im Lande hat die Wände der Schule noch nicht verlassen, ist zum „Volke", das die alten Städte bewohnt, noch nicht gedrungen, selbst nicht zu den Siedlern der neuen Kolonien. Es wird erforderlich sein, eine breitangelegte ernste Tätigkeit zu entfalten um die hebräische Sprache den Neuankömmlingen zu vermitteln. Dazu sind große Mittel, ist eine Gruppe hingebungsvoller Menschen erforderlich. Noch fehlt es uns an beidem. Aber wir hier und der „Hechaluz" dort haben die Pflicht zu tun, was sich tun läßt. Die Gruppen des „Hechaluz" müssen ihren Genossen eine organisierte und energische Unterstützung bei der Erlernung der hebräischen Sprache angedeihen lassen — durch fähige hingebungsvolle Lehrer. Landwirtschaftliche Ausbildung und Kenntnis des Hebräischen — wer diese beiden mitbringt, bringt große Werte, ein großes Vermögen ins Land. Das wird die Feuerprobe für den Hechaluz sein, wenn es ihm gelingt, diese beiden Güter zu erwerben. Eine Gruppe von Genossen, die Hilfe in diesem Sinne bietet, hat wirkliche Hilfe geboten. Vielleicht ist es die positivste Arbeit, die gegenwärtig geleistet werden kann. Der Bewegung, die sich dieser Aufgabe unterzieht, wird die Geschichte Dank zollen. Die Vorbereitung, die Organisation der Wanderungsbewegung, die Schaffunglebendiger Beziehungen zur Siedlungsbewegung im Lande, zur vereinten Arbeitergemeinde — hier ist der für den „Hechaluz" vorgezeichnete Weg, „der Weg, dernachZion hinaufführt", der Weg, persönlich an der jüdischen Zukunft zuschaffen. Ich grüße euch, Brüder. Jerusalem, Tischri 5678. Berl Katznelson