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Der Jude · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. 638

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Hechaluz-Bewegung
Date
1927-01-01
Page
638 (sequence 4)
Language
German
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638 Berl Katznelson: I. Vorbereitung für körperliche und landwirtschaftliche Arbeit. Diese Vorbereitung wird dem Lande nützliche Menschen, tüchtige Arbeiter vom Beginne ihres Wirkens an schenken und dem Emporkömmling körperliche und geistige Schmerzen, denen der Anfänger, solange er sich nicht den Verhältnissen angepaßt hat, ausgesetzt ist, ersparen. Diese Übergangszeit ist eine schwere und traurige, zuweilen auch lange Periode heftiger Schmerzen, schneidender Eindrücke, seelischer Torturen. Die natürliche Grausamkeit der Umgebung — nicht gerade der Fremden, zuweilen auch die der Freunde — nützt alle Schwächen des neuen Arbeiters, der seine Mängel loszuwerden sucht, aus. Der Arbeiter muß sehr viele Leidensstationen durchschreiten, vielen Versuchungen standhalten, viele Niederlagen erleiden. Die Wunden, die auf diesem Schmerzenswege beigebracht werden, heilen nicht bald. Man kann den Weg um ein weniges oder viel abkürzen — Einzelnen, Glücklichen schrumpft er ganz zusammen — wenn man eine natürliche Anlage zur Arbeit, Geschicklichkeit mitbringt; aber noch mehr, wenn man landwirtschaftlich vorgebildet hinkommt. Die Hechaluz-Bewegung muß daher große Kraft darauf verwenden, diese Periode durch eine entsprechende Vorbereitung zu kürzen und zu erleichtern. Diese Vorbereitung hat viele Wege, die einzeln genannt zu werden verdienen. Abgesehen vom Bedürfnis und der Möglichkeit einer körperlichen und landwirtschaftlichen Arbeit auf dem Lande, auf Besitzungen, in den Schulen, die dem Anfänger die Landwirtschaft öffnen, haben die sich Vorbereitenden die Möglichkeit, ein landwirtschaftliches Spezialgebiet zu wählen, um sich darin praktisch, aber auch theoretisch gründlich auszubilden. Die Landwirtschaft zerfällt in viele mannigfaltige Gebiete, in mehr und mannigfaltigere, als der städtische Anfänger sich vorstellen mag. Allgemeine Landwirtschaft, Gartenbau mit seinen Gebieten (Obst- und Gemüsezucht, Baumschulen für Obstbäume und Ziersträucher, Aufforstung und Samenanbau), Bienenzucht, Geflügelzucht, Molkerei, Milchproduktenwirtschaft, Arbeitsviehzucht, Herstellung von Gemüse- und Fruchtkonserven. Auch mancher Handwerker braucht die Landwirtschaft: Fuhrleute, Sattler, Monteure für landwirtschaftliche Maschinen, Schlosser, Schmiedemeister, Zimmerleute, auch für Betonguß u. a. Jedes dieser Gebiete hat seine große Bedeutung in der Kolonisation der Gegenwart, die in Zukunft noch wachsen wird. Alle erfordern Arbeiter mit Wissen, Erfahrung und Talent. Ebenso haben die Gebiete: Milchproduktion, Konservenfabrikation von Früchten und Gemüse, Samenanbau, Aufzucht von Arbeitsvieh, Obstzucht solcher Arten, die in Europa und Amerika zu finden sind, abgesehen von wenigen Arten, die sich schon längst in Palästina eingebürgert haben, Aufforstung der Berge und Sandgegenden überhaupt noch keine Vertreter im Lande, obgleich sie für die Kolonisation bereits ein Bedürfnis sind und noch mehr sein werden. Die Möglichkeit, sich in einem oder einigen dieser landwirtschaftlichen Gebiete auszubilden, erweitert bedeutend das Arbeitsfeld auch für solche Kräfte, für die es früher in der Landwirtschaft keinen Platz gegeben hat. Nicht viele sind fähig, sich die ganze Landwirtschaft in ihrem vollen Umfange anzueignen. Nicht jeder hat Neigung für alle Gebiete, noch reichen jedermanns Kräfte dafür aus. Es gab eine Zeit, wo die Landwirtschaft mit der Egge begann und mit dem Pflug endigte. Und der erste Mißerfolg mit einem von diesen brachte den Anfänger zu völliger Verzweiflung. Diese beiden sind allerdings auch jetzt noch die Grundlagen der Wirtschaft, aber sie ist nicht bei ihnen stehen geblieben. Selbst Menschen, deren

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