Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Zur Hechaluz-Bewegung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- 637 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Hechaluz-Bewegung Ö37 dies die einzige praktische Bewegung unserer Zeit, in deren Mittelpunkt njcht die Leitung, nicht das Programm steht, sondern das Leben des Menschen und seine Arbeit. Der einzelne Genosse ist das Ziel. Sein Leben, sein Unternehmen, seine Niederlagen und seine Siege, seine Schwäche und seine Stärke — sie sind es, die das Wesen der Bewegung ausmachen. Wird die Hechaluz-Bewegung ihrem Wesen treu bleiben, so wird dieses individuelle Wirklichkeitsstreben nach Pioniertum und Arbeit, dieses allein <ias Willens- und Geisteszentrum der Bewegung bleiben. Ihr Wirken wird sich lediglich in dem Hervortreten all der Kräfte und Elemente verkörpern, in denen dieses Streben und dieser Wille leben, in der Erziehung und Vorbereitung des Einzelnen, in der Zentralisierung des Willens, in der Vereinigung all der bunten Kräfte zu Taten, zu Taten der Reinheit, der Treue und der Freundschaft. Möge diese Bewegung die Spaltung in Konventikel, Schulen, Parteien und Gruppen nicht kennen, wie sie im Wesen unserer Zeit liegt, in der die soziale Scholastik einen Eckstein im Aufbau des Lebens bildet und die von theoretischen und eristischen Momenten beherrscht wird. Möge diese Bewegung nur den Menschen, den Freund, die Freundesgruppe kennen; fremd sei ihr jede Wertung des Menschen, Aufnahme oder Zurückweisung nach theoretischen Formeln. Eine Absonderung von Gruppen innerhalb des „Hechaluz" auf Grund von Momenten, die der Vergangenheit angehören, wie Erziehung, Milieu u. dgl. hätte ein Großziehen der Fremdheit zwischen Individuum und Individuum, Gruppe und Gruppe zur Folge, und würde den Lebensnerv der Bewegung*töten, würde ihren Zerfall herbeiführen. Möge sich die Hechaluz-Bewegung nicht mit entlehnten Ansichten, Programmen und Losungen belasten. Birgt die Arbeitsbewegung einen Kern neuer Gedanken und Taten, eines neuen Lebens in sich, so möge man ihn nur ungetrübt keimen und wachsen lassen, zusammen mit ihren Trägern, in ihren Herzen, ihrem Sinnen und ihrem Tun. Man lasse nur die Arbeitsbewegung zur Wirklichkeit werden, — der persönliche, nationale und soziale Inhalt, der in ihr liegt, wird dann unverweilt zutage treten. Glaubet der Bewegung, vertrauet ihr, laßt nicht durch kleinliche theoretische Differenzen die große Einheit zerstören. „Wir wollen tun — und hören!" Möge diese Losung unserer Vorfahren bei der Offenbarung am Sinai auch die unserige sein. Machen wir unser Leben zur Tat, dann werden wir, wenn wir dessen würdig sind, die Stimme Gottes im Lager vernehmen. ... Wird dies die junge Bewegung verstehen? Wird sie ihr Wesen begreifen? Wird sie ihre Einigkeit zu schaffen verstehen? Ihrem Umkreise Ganzheit, ihrem Wesen Zentralisation verleihen? Wird sie verstehen, Prüfung, Wahl und Zusammenfügung des Menschenmaterials zu beherrschen? Wird sie dieses ergehen und seinen Willen zur Tat heranreifen lassen? Mir scheint darin ihre Kraft, ihre Hoffnung und ihre Zukunft zu liegen, im Laufe der Zeit das zu werden, was die verschiedenen nationalen Parteien unter uns nicht sein konnten: ein Sammelpunkt der künftigen Generation, ein Mittelpunkt des Willens, der Seele und des Gedankens. Ich sehe die Hauptarbeit des Hechaluz in der Erziehung und Vorbereitung 2um Leben, zur Arbeit und zur Verwurzelung im Lande. Jene Menschen des Willens, die die erforderliche seelische Veranlagung besitzen, denen die Arbeit und das Leben im Lande ein Lebensbedürfnis geworden sind, bedürfen noch einer praktischen Vorbereitung. Diese beruht auf zwei Hauptmomenten: