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Der Jude · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. 636

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Hechaluz-Bewegung
Date
1927-01-01
Page
636 (sequence 2)
Language
German
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636 Berl Katznelson: Die „Hechaluz"-Bewegung hat ihre Anhänger in den verschiedensten Ländern und in verschiedenartigen Gesellschaftskreisen gefunden. Dies beweist uns die bunte Reihe der Namen, denen wir in Amerika, Polen, Rußland, Galizien, Holland und Deutschland begegnen. Wie es heißt, soll die Bewegung auch durch manche Kanäle von der palästinensischen Arbeitsbewegxmg gespeist werden. Diese Tatsache scheint mir von besonderer Wichtigkeit zu sein, da ich da^in Wesen und Zukunft des „Hechaluz" zu erblicken glaube. Die mannigfaltigen, voneinander entfernten Kräfte, die sich hier in der Arbeit zusammenfinden, sind uns alle teuer und wichtig. Man trenne sie nicht, richte keine Scheidewand zwischen ihnen auf. Die Pionierbewegung darf auf keinen verzichten, darf keinen von sich stoßen, darf ihre Anhänger nicht verringern um äußerlicher Herkunft, Milieu oder Erziehung willen. Auch die Arbeiter in Palästina sind nicht eines Ursprungs. Mit dem Aufblühen unserer Zukunft werden sich Menschen aus den mannigfaltigsten Kreisen zusammenfinden, die Herz und Willen auf einen Punkt: die Arbeit im Lande richten werden. Sie alle seien willkommen! Die Gemeinsamkeit der Arbeit, die Verhältnisse des erwarteten Lebens und die Bestrebungen, die aus der Tätigkeit entstehen — die Einheit der gemeinsamen Zukunft muß die durch Herkunft und Erziehung verschiedenen Elemente der Pioniere zu einer arbeitenden und schaffenden Körperschaft erziehen, vereinigen, vergesellschaften, ja sogar verschmelzen. Nähe der Herzen, Vereinigung der Kräfte, Seelenvertrauen und Achtung der Gefährten — diese Atmosphäre muß im Lande geschaffen werden, um das Gemüt des Ankömmlings vor der Härte der Umgebung, ihrer Fremdartigkeit und ihrer Fremdheit zu schützen und vor Verzweiflung zu bewahren. Dieses Gut muß die Hechaluz-Bewegung ihren Genossen geben. Dem Anschein nach sind diese Dinge so einfach und allgemein verständlich, daß es sich nicht zu lohnen scheint, lange bei ihnen zu verweilen. Dennoch sehe ich mich verpflichtet, bei ihnen halt zu machen, um einzuschärfen, wie notwendig es ist, sich an sie zu halten. Die Bedeutung des Gedankens liegt hier nicht in der Neuheit, sondern in seiner Verwirklichung und der Art der Verwirklichung. Der Verwirklichung dieser so einfachen Dinge aber wird sich vielleicht manche unter uns herrschende Ansicht, manche uns eingewohnte Einrichtung in den Weg stellen, deren Herr zu werden uns nicht gar so leicht fallen wird. Die Hechaluz-Sache ist im Grunde nicht ein Gedanke und eine Theorie, sondern eine individuelle Erscheinung. Es ist unser Glaube, daß diese Erscheinung der treue Bote der Geschichte, ein Werk des Volksgenius ist; unsere Überzeugung, daß sie nicht bestehen kann, ohne daß im Herzen ihrer Träger ein tiefes Empfinden für die Gemeinschaft lebe. Dennoch bleibt sie in ihrem ganzen Wesen und in ihrer Stärke eine individuelle. Darin liegt der Wert, der Inhalt, die Kraft des Zuges nach dem Lande, darin die Quelle des erhofften Segens. Daher die Bedeutung des Individuums, des Einzelnen, in dieser Bewegung, die weder in ihrem Ausgangspunkt noch in ihrem Endziel eine andere Eroberung, eine andere Herrschaft kennt als Selbsteroberung und Eigenherrschaft: daß der Mensch sich seine Welt erobere und sie beherrsche. Darin vielleicht unterscheidet sich diese Bewegung, die die nationale Zukunft durch Schaffung des individuellen Lebens anstrebt, von den anderen sozialen Bewegungen unserer Zeit. Daher kennt diese Bewegung in Wirklichkeit nicht Führer und Geführte, sondern arbeitende und schaffende Menschen, deren Arbeit und Leben sich zu einer Wirklichkeit zusammenschließen sollen. Vielleicht ist

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