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Der Jude · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. 635

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 10-11
Article
Zur Hechaluz-Bewegung
Date
1927-01-01
Page
635 (sequence 1)
Language
German
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Berl Katznelson: Zur Hechaluz-Bewegung 635 ZUR HECHALUZ-BEWEGUNG*) Brief aus Palästina Aus nebliger Ferne dringen zu uns selten, fast wie durch ein Wunder, zufällige und lückenhafte Nachrichten über die Hechaluz-Bewegung, Weiß jemand, begreift jemand, was diese Botschaften uns bedeuten? Harrten und hofften wir ja schon lange auf eine treue Freundesgemeinde, daß sich ihre Wünsche, ihr Wollen und ihre Kräfte mit den unseren vereinen. Und die Antwort auf unser Harren waren diese Jahre. Läßt sich wiedergeben, was sie an uns getan haben, was sie uns antun?--Jeder Tag fügt neues Leiden hinzu, und noch sehr fern scheint das Ende. Krampferstarrt, losgerissen von der Welt, vom Volk, von seinen Stätten und seinen Trümmern sind wir doch noch nicht ganz niedergerungen. Mit gelähmten Flügeln, verkümmert, leben und wirken wir und sehen neuen Niederlagen und neuen Gefahren entgegen. Und das Herz, das des Lebens Not noch nicht ganz versteinert hat, sehnt sich bange nach dem Ende der Zerstörung, nach Trostesbotschaft, nach Erneuerung und Wiederaufnahme des Lebens und der Arbeit. Und siehe, sie kommen eine nach der andern auf wunderbarem Wege, die ersehnten Botschaften — wie ein Hall der schreitenden Erlösung. Sie befriedigen uns nicht, aber sie durchbeben uns, sie verscheuchen das Düster des schweren Schweigens, wecken Fragen, rufen Erstaunen hervor, reizen. Man nimmt alle Kräfte des Denkens, der Phantasie und der Ahnung zusammen, um die Dinge in ihrer Wirklichkeit zu erfassen. Was ist der wahre Wert dieser Bewegung, ihr Wesen und ihr Umfang? Übertrifft sie in der Tat die verschiedenen Ansätze, die ihr vorangegangen sind, Ansätze, die in uns Hoffnungen erweckt haben, um sie bald zu ersticken, die nur wenige Einzelne den Weg zum Leben und zur Arbeit im Lande haben finden lassen? Welches ist die innere Schwere der neuen Bewegung, welche Kräfte schlummern in ihr, welche Zukunft harrt ihrer? Ist wirklich die Zeit gekommen, da das Pioniertum der Arbeit nicht mehr bloß der Wunsch Einzelner ist, sondern bereits das Streben einer Gemeinschaft geworden ist? Sind die Tage nahe, die uns dieser Rätsel Lösung bringen werden? Es erwacht der alte Drang nach lebendigen, starken und ununterbrochenen Beziehungen, die ihnen dort künden, was sie tun, wie sie sich rüsten, wie sie sich vorbereiten und einander beistehen sollen, in der Gegenwart für das Leben der Zukunft, Beziehungen, die uns hier sagen, was wir hoffen dürfen Und was wir tun sollen, um jenen, denen unser Sehnen gilt, ihr Kommen, ihre Aufnahme und ihre Verwurzelung im Lande zu erleichtern. Bisher hatte der örang nach Beziehungen trotz mancher Versuche keinen rechten Ausdruck gefanden. Vielleicht fehlten die Träger. Werden jetzt, wo die äußeren Bedingungen noch viel ungünstiger liegen, dagegen aber vielleicht die geeigneten Träger da sind, jene Beziehungen geschaffen werden? Vielleicht; wir wollen es hoffen. Vorläufig will ich versuchen, einige Striche über das Wesen und die Aufgabe des „Hechaluz", wie ich mir ihn denke, aufzuzeichnen. Vielleicht gelangen dieses Mal meine Worte an ihren Bestimmungsort und tragen das Ihre zur Klärung der Gedanken und Taten bei. *) Vgl. den Beitrag „Hechaluz, die neue Pionierbewegung" von J. Ben-Zwi im 4. Heft dieses Jahrgangs, S. 233 ff. (Anm. d. Red,). 43*

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