Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 121 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volkslieder 121 Ginsburg und Marek Nr, 18. Die ersten acht Zeilen sind hebräisch* Die Fragen, die dann folgen, sind jiddisch, die Antworten wieder hebräisch. Dieses Gemisch entspricht ganz dem innern Sturmjubel, der auf alle Weise nach Ausdruck ringt. Interessant ist die lebendige,ausführliche Schilderung der Messias-Sage: Bald, in unser Tagen wird Messias, der Gerechte, kommen und den wiederkehrenden König David ansagen — eine Variante des Messias-Themas —* und dann wird Israel nach Jerusalem zurückkehren. Da wird denn Freude ohne Ende sein. Am rührendsten und herrlichsten ist dieses „Bald in unsern Tagen4*, Jeder Jude möchte dieses Heil erleben, nicht um seiner selbst willen, sondern um die ganze Welt. Wie nichtig ist auch das Selbst vor diesem Wonneausbruch, der in den hebräischen Worten noch viel stammelnder und toller sich kundgibt! Nur das ganze Heil und die ganze Herrlichkeit verdient einen solchen innerlichen Aufruhr. Herrlich ist unser Herr, herrlich ist die Thora — nicht um das Selbst und um das enge, kurze, dunkle Leben geht es, sondern um Gott und Ewigkeit. Daher sind alle diese Stücke von so umfassender Heiligkeit. Der Odem der letzten Dinge weht in ihnen. Omar Adeinoi T Jakow, — — Je, Voter, je! AI tiro Awdi Jakow. — Nein, Voter, nein, Ich hob var keinem kein Meire nit, Nor var Gott allein! Omar Adeinoi TJakow, — — Tak, tak, tak! AI tiro Awdi Jakow, Nje pugaissja, Barin Jakow. — Njet, njet, nitschewo, Nje bojussja nikowo, ToJjko Boga odnowo! Bochar Adeinoi TJakow, — — Je, Voter, je! AI tiro Awdi Jakow, — Nein, Voter, nein, usw. Bochar Adeinoi b'Jakow usw/ Nje pugaissja usw. Jakobiied. (Übertragung:) Sprach Gott zu Jakob, — Ja, Vater, ja! Fürchte dich nicht, mdn Knecht Jakob, — Nein, Vater, nein. Vor niemand, niemand fürcht ich mich, Nur vor Gott allein. Es folgt die vorzügliche russische Übersetzung, die die hebräischen Verse beibehält. Die nächste Strophe lautet: Auserwählt hat Gott den Jakob, — Ja, Vater, ja! Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, — Nein, Vater, nein. Vor niemand, niemand fürcht ich mich, Nur vor Gott allein. Ginsburg und Marek Nr. ig. Man kann dieses Stück, dem hebräischen Liede am Sabbatausgang folgend, welches diesem Volkslied zugrunde liegt, bis zum letzten Buchstaben des Alphabets fortsetzen, so daß sich im ganzen 22 Strophen ergeben. D«r Verfasser des ursprünglichen Liedes entnimmt, alphabetisch vorgehend, der Bibel solche Worte, die auf Jakob Beziehung haben und läßt jedem dieser Worte den Refrain: AI tiro awdi Jaakauw (fürchte dicht nicht, mein Knecht Jakob) folgen. Der Dichter der jiddischen Variante macht daraus ein Zwiegespräch zwischen Gott und seinem Knechte Jakob: Sprach Gott zu Jakob — „Ja, Vater, ja", stellt sich Israel