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Der Jude · 1916-05-01 · Heft 2 (Mai 1916) · p. 106

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 2 (Mai 1916)
Article
Jüdische Volksarbeit
Date
1916-05-01
Page
106 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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io6 Salomon Lehnert: Perez" verwaltet, der in einem dieser Räume Vorträge und Kurse in jiddischer Sprache über jiddische Literatur, Geschichte usw. und Vorträge jiddischer Volkslieder veranstaltet. Die Mitglieder des Vereins setzen sich in der Mehrzahl aus ostjüdischen Arbeitern zusammen. V. ALLGEMEINE SOZIALE HILFELEISTUNGEN. Es ist überaus wichtig für das Vertrauen, welches das Volksheim zu seiner Arbeit nötig hat, daß die jüdische Bevölkerung eines bestimmten Viertels in dem Heim den Mittelpunkt in allen bedeutenden Fragen des täglichen Lebens sieht, und deshalb möglichste Konzentration der jüdisch-sozialen Arbeit auf das Volksheim: a) Auskunftsstelle für Mütter in häuslichen Angelegenheiten, Säuglingspflege usw.; b) ärztliche Sprechstunden \ , „. « A . „ , c) Rechtsauskunftstelle I an Wochentagen m Heim; d) häusliche Fürsorge (Kranken- und Wöchnerinnenbesuche durch Heimschwestern); e) Wohnungsfürsorge. Bei Erweiterung der Arbeitsgebiete ist die Gründung einer kleinen Konsumgenossenschaft unter der jüdischen Nachbarschaft in Aussicht genommen. Die in diesem Programm entwickelten Aufgaben werden bei den Schwierigkeiten, die der augenblickliche Kriegszustand bietet, nicht sofort nach Eröffnung des Heims verwirklicht werden können, sondern es gilt zur Zeit die Grundlagen zu schaffen. Ferner wird man heute die Idee des Settlement, der Niederlassung Gebildeter im Proletarierviertel zwecks sozialer Arbeit, nicht so in den Vordergrund stellen können, wie es für die Friedenszeit beabsichtigt war und wie es auch im Sinne der zu leistenden sozialen Arbeit liegt. Die jüdische Siedlung Indem ich an den Versuch, in Berlin ein jüdisches Settlement zu schaffen, anknüpfe, möchte ich als Nationaljude im Nachstehenden darlegen, welche Bedeutung einmal jüdische Siedlungen in den deutschen und östlichen Großstädten für das nationale Judentum gewinnen könnten, und welcher Geist der jüdischsozialen Arbeit Triebkraft und Richtung geben wird. i. Als jüdische Siedlung bezeichne ich eine Ansiedlung von Studenten und Frauen in den mit jüdischem Proletariat bevölkerten Straßen und Stadtteilen der deutschen, österreichischen (und später polnischen) Großstädte zum Zweck sozialer Arbeit* Als vorbildlich für Form und Wesen dieser Arbeit gilt das Settlement in England und Amerika, dessen Ziel darin besteht, „die Möglichkeiten eines gemeinschaftlichen Lebens, welche die Nachbarschaft bietet, auszugestalten, ihm einen neuen Brennpunkt und eine Form zu geben und auf dieses Leben die Einflüsse der Kultur und der Erziehung wirken zu lassen". Das Settlement fühlt sich verantwortlich für die Jugend der Straße, in der es gelegen ist, und gewinnt Einfluß auf die Kinder und auf das Leben der Erwachsenen durch Einrichtung der oben im Programm des „Volksheims" aufgeführten Institutionen*

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