Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Jüdische Volksarbeit
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 105 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volksarbett 105 bei dieser Beschäftigung auf dem Lande, das Spielbedürfnis und die Freude am Leben in der freien Natur, welche die Kinder meist besitzen, für den künftigen Beruf nutzbar zu machen. II. FÜRSORGE FÜR DIE SCHULENTLASSENEN. Die Zeit, welche die Kinder von zehn bis vierzehn Jahren an der Hobelbank und auf dem Lande verbracht haben, wird nicht ohne Einfluß auf die Berufswahl der schulentlassenen Jugend sein; durch Vermittelung von Lehrstellen im Handwerksgewerbe und in landwirtschaftlichen Betrieben werden die Kinder auf dem von uns erstrebten Wege weitergeführt werden. Diejenigen, die einer Kameradschaft angehört haben und nun einen Beruf ergreifen, schließen sich in „Lehrlingsklubs" und „Lehrmädchenklubs" zusammen. III. GEMEINSCHAFTSLEBEN DER ERWACHSENEN. In den Klubs der jungen Leute bietet sich die Aufgabe, ein Gemeinschaftsleben 2u schaffen, in dem der aus dem jüdischen Proletariat hervorgegangene Mensch so fest wurzelt, daß er an dem kulturlosen „Großstadtleben" keine Befriedigung findet. Gemeinsames Musizieren, Vorträge, Leseabende, Spielabende, Sportveranstaltungen, Handels- und Sprachkurse usw. werden zu dem Klubleben der jungen Leute gehören, an dem die Helfer des Volksheims nicht als Vortragende und Leiter, sondern wiederum als Freunde teilnehmen. „Nur ein solches Zusammenkommen des Helfers mit dem jungen Arbeiter oder Handlungsgehilfen, der Helferin mit der Arbeiterin oder Verkäuferin wird die Lebensanschauung des Proletariats zum Teil umgestalten können, und zwar soll hier nur ein Gesichtspunkt angeführt werden. Die Juden der unteren Klassen (wie überhaupt das Großstadtproletariat) besitzen nur selten ein ihrer Arbeit entsprechendes Standesbewußtsein. Sie streben aus ihrer Klasse heraus, die sie für minderwertig ansehen. Wert erhält in ihren Augen erst der Mensch, der einer besseren Gesellschaftsschicht angehört, deren charakteristische Merkmale das Proletariat in schöner Kleidung, Beteiligung an den Großstadtvergnügungen u. dgL sieht. In dem Gemeinschaftsleben mit unseren Helfern und Helferinnen im Heim lernt der Proletarier wertvollere charakteristische Merkmale des Standes kennen, nach dessen Zugehörigkeit er strebt, und darin liegt die Bedeutung unserer sozialen Gemeinschaftsarbeit. Der proletarische Snob wird im Verkehr mit unseren Helfern allmählich fühlen, daß er durch das Tragen seiner Lackstiefel mit Einsatz und des modernsten Cutaway sich noch nicht die Zugehörigkeit zur „besseren Gesellschaft" errungen hat, sondern daß ihre Merkmale tiefer, innerlicher liegen. So wird er (im günstigsten Fall) seine Forderungen an das Leben den unsrigen anpassen." Die Lage der Räume gestattet an einem Abend der Woche die Einrichtung von „Volksabenden", an denen sich die ostjüdische Nachbarschaft und die Eltern der jugendlichen Heimmitglieder im Volksheim beim Tee versammeln. Diese Abende werden neben der Pflege der ostjüdischen Literatur und allgemein jüdischer Dinge besonders die der jüdischen Volksmusik zur Aufgabe haben. IV. JÜDISCHES ABENDHEIM. Einige Zimmer des Volksheims sind als Abendheim für jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen hergerichtet. Dieses wird zusammen mit dem „Literarischen Verein