Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Jüdische Positionen in Palästina
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 99 (sequence 7)
- Language
- German
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Jüdische Positionen in Palästina 99 keinem Lande sind irgendwelche politische Schwierigkeiten aufgetaucht, im Gegenteil, nicht nur in Deutschland, sondern auch in England und Frankreich sind gewichtige Stimmen für die Besiedlung Palästinas durch Juden laut geworden. In Palästina selbst stehen neben gewissen Härten in der Ausweisung solcher Juden* die Untertanen feindlicher Staaten sind, und mancherlei, auf böswillige Denunziationen hin erfolgten antijüdischen Anwandlungen die Besuche des Oberkommandanten in den Kolonien und Schulen, wobei den zionistischen Leistungen große Anerkennung gezollt wurde, die Überlassung von Dünenstrecken an jüdische Kolonisten u. a. m. Die zionistische Organisation, so ernst sie auch die politischen Schwierigkeiten, die auf ihrem Wege hier und da auftauchen, nimmt und sie zu überwinden trachtet, was ihr bisher noch immer gelungen ist, läßt sich niemals von ihnen entmutigen. Die jüdische Besiedlung Palästinas liegt in so eminentem Sinn im Interesse der Türkei selbst, daß auf die Dauer — das zionistische Werk rechnet nicht mit Jahren, sondern mit Jahrzehnten — kein ernsthafter Widerstand gegen sie zu erwarten ist. Deshalb ist sich die Leitung bewußt, daß der schläeßliche Erfolg nur von der eigenen Kraft abhängt, von den Energien und Mitteln, die das jüdische Volk für die Kolonisation aufzubringen imstande sein wird. Eine Probe darauf war die Arbeit der ersten sechs Jahre zionistischer Tätigkeit, die hier skizziert wurde. Die Fülle des Geleisteten, die Menge der gelösten oder in Angriff genommenen Probleme, das Erwachen eines schaffensfrohen, selbstsicheren, nationalbewußten Geistes, namentlich in der jungen, im Lande aufgewachsenen Generation und bei den zugewanderten Intellektuellen und Arbeitern, die Tatsache^ daß alles Geschaffene die kräftigsten Keime für ein gesundes und rasches Wachstum in sich trägt, —1 wer wollte nicht darin die hoffnungsvollsten Anzeichen sehen? Und dennoch ist den Zionisten die bange Sorge um die Zukunft nicht erspart. Wohl sorgen sie sich nicht um das „ob" und das „wie", sondern am das Tempo der Entwicklung. So wurzelstark unsere Positionen in Palästina auch sein mögen — groß sind sie nicht, und wenn es nicht gelänge, auch quantitativ rasch weiterzukommen, so bliebe alles doch nur mehr eine schöne Liebhabersache eines kleinen Kreises, hätte aber für die Gesamtjudenheit keine große Bedeutung und wäre, bei dem Eiltempo, in dem heute die Entwicklungen in der Weltwirtschaft vor sich gehen, bald als ein kleines Pünktchen im Meer des Geschehens versunken und vergessen. Die zionistische Organisation, die eine anerkennenswerte Vorarbeit geleistet tat, steht deshalb erst vor ihrer eigentlichen Aufgabe; Eine planmäßige Ansiedlungstätigkeit größeren Stils zu entwickeln, was natürlich bedeutende Mittel erheischt. Zwei Hauptprobleme, das der Heraufführung der jüdischen Arbeiter 2tu einer gesicherten Existenz und jenes des Agrarkredits sind dabei zu lösen. Die Organisation denkt natürlich nicht daran, in Palästina eine ausgedehnte Kolonisation bloß aus eigenen Mitteln ins Werk setzen zu können, aber sie muß die Ansiedler und Ansiedlungsgesellsch£.ften doch in weitestem Maße finanziell unterstützen und alle Lasten einer Gemeänwirtschaft tragen. Daher wird ein großer Teil der Kosten für die Kolonisation, namentlich der Besitzlosen, auf sie entfallen: sei es, daß der Nationalfonds goden und Gebäude beistellt und in Pacht gibt, sowie die Kosten der Arbeiterausbildung und -fürsorge übernimmt, sei es, daß die privaten Ansiedler *on den zionistischen Fonds bloß im Kreditweg unterstützt werden. r