Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Jüdische Positionen in Palästina
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 100 (sequence 8)
- Language
- German
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xoo Oskar Epstein: Selbst bei einem bescheidenen Umfang der Kolonisationstätigkeit würde dies mehrere Millionen im Jahre erfordern, was allerdings die zionistische Organisation, die schon heute mit großen Ziffern zu rechnen gewohnt ist (der jüdische Nationalfonds allein nahm 1913 eine Million Francs ein), vor keine Aufgabe stellen würde, der sie nicht bei Anspannung aller Kräfte gewachsen wäre. Der Weltkrieg hat überall Energien erweckt, die Maßstäbe dessen, was als möglich angesehen werden kann, verrückt, und die Menschen gelehrt, sich Leistungen zuzutrauen, die früher als über alle Kraft gehend angesehen wurden. Er hat Millionen von Juden physisch und moralisch gestählt, sie gelehrt, Gefahren und Schwierigkeiten gering zu achten, so daß das jüdische Menschenmaterial ein wesentlich anderes ist, als zuvor. Dazu kommt die für den Zionismus wichtige Tatsache, daß große Teile der Judenheit erst durch den Krieg direkt und indirekt mit dem Ostjudenproblem bekannt geworden sind. Deshalb ist die Hoffnung begründet, daß nach dem Kriege das zionistische Palästinawerk in der Judenheit ein starkes Interesse und eine kraftvolle Unterstützung finden wird. Der Zionismus hat seine schöpferische Kraft erwiesen —■ das nächste Jahrzehnt wird darüber entscheiden, ob das Gesamtjudentum gewillt und fähig ist, das so verheißungsvoll begonnene Werk durch tatkräftige Mithilfe zur Vollendung zu führen. Wien Adolf Böhm GRUNDSÄTZLICHES ZUR ZIONISTISCHEN GEGENWARTSARBEIT Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß in der zionistischen Organisation die Studentenvereine eine auffallend große Rolle spielen. Ihre vorzüglichste Rolle bestand zur Zeit des Charterzionismus darin, das Heer der Agitatoren zu stellen. Die Agitation bestand aber vor allem darin, Begriffe zu klären, Mißverständnisse aus der Welt zu schaffen, kurzum aufzuklären. Kein Zweifel, daß diese Arbeit den Studenten ganz angemessen war; von den übrigen Zionisten verlangte man vor allem Geldbeiträge, von deren Summe die Ausgaben für die Erreichung und Ausnützung des Charters bestritten werden sollten. Allerdings hingen die Leistungen der Geldbeiträge mit etwas Tieferem zusammen. Es war gewiß von gröBler Bedeutung, daß dank der zionistischen Agitation viele Juden es lernten, statt in der früheren, haarsträubend kurzsichtigen Art, der jüdischen Gemeinschaft durch Unterstützungwirklich großzügiger Institutionen Hiife leisten zu wollen. Keinem Menschen wäre es eingefallen, von einem zionistischen Bürger etwas anderes zu verlangen. Als ein Vorläufer unserer heutigen Bestrebungen kam die Forderung, daß Zionisten keinerlei fremdnationalen. Vereinen angehören sollen, welche viele Diskussionen hervorrief, ohne einen wesentliche Klärung zu bringen. In der Praxis schloß man sich Nordaus Ansicht an, die Zionisten könnten ebenso fremdnationalen Vereinen angehören, wie es etwa in der österreichischen Aimee deutsche, englische