Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Jüdische Positionen in Palästina
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 97 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Positionen in Palästina 97 wird. Er fördert durch die schon erwähnte Errichtung von Arbeiterhäusern die Festsetzung jüdischer Arbeiter in den bestehenden älteren Kolonien u. a. m. Der jüdische Arbeiter in Palästina mit seinem Heroismus, seinem ernsten Streben, seinem Gemeinsinn und seiner Tüchtigkeit, ist unter den neujüdischen Typen, mit denen die jüdische Renaissancebewegung die Judenheit bereichert hat, wohl der prächtigste. Von privaten Eignern wird die große Farm Medjdel erworben, amerikanische Juden siedeln sich in Poriah, eine Gesellschaft russischer Juden (aus Bjalistok) südlich von Gaza an, also in einer für unsere Kolonisation neuen Gegend« Zahlreich sind andere private Erwerbungen, darunter eine von besonderer Größe. Der jüdischen Kunstgewerbeschule ,.Bezalel" werden vom Jüdischen Nationalfonds zwei prächtige Häuser in Jerusalem gebaut, in einem davon wird das Nat|ionalmuseum untergebracht. Die Schule wird von den Werkstätten getrennt und diese auf geschäftliche Basis gestellt. Die Zahl der betriebenen Techniken mehrt sich, die Arbeiterzahl steigt auf einige hundert Das geistige Leben blüht in kräftigster Weise auf. Die bestehenden Schulen entwickeln sich und zahlreiche neue Schulen werden gegründet. Das hebräische Gymnasium in Jaffa schickt 1914 seine ersten Abiturienten an die europäischen Hochschulen. 1909 wird das hebräische Gymnasium in Jerusalem begründet, ebenso die hebräische Mittelschule der Orthodoxen in Jaffa (Tachkemoni). Das Odessaer Komitee errichtet 19x2 ein Lehrerinnenseminar in Jaffa. Der Jüdische Nationalfonds trägt zum Bau des Jüdischen Technikum in Haiffa bei, und als über die Frage, welcher Raum dem Hebräischen in dieser Unterrichtsanstalt eingeräumt werden soll, ein Streit entsteht, bricht ein Sturm der Entrüstung in der palästinensischen Siedlung gegen die antihebräische Haltung des „Hilfsvereins der deutschen Juden" aus und in rascher Folge entstehen eine Anzahl neuer, von zionistischer Seite gegründeter hebräischer Schulen, welche die aus den Hilfsvereinsanstalten austretenden Schüler und Lehrer übernehmen. Es sind dies: In Jerusalem: Lehrerseminar, Kommerzschule, Knabenschule, Mädchenschule, Kindergarten-Kurse, in Jaffa: Knabenschule, in Haiffa: Gemischte Knaben- und Mädchenschulen, mit zusammen ca. 600 Schülern (Ziffer vom Frühjahr 1913). Die palästinensischen Lehrer organisieren sich, geben hebräische Lehrbücher heraus, und es wird ein oberster Rat für die Probleme des Neuhebräisch eingesetzt (Waad halaschon). Die Zahl der jüdischen Ärzte in Palästina vermehrt sich rasch, auch sie bilden einen Verband, arbeiten gemeinsam mit den Deutschen im Gesundheitsinstitut von Jerusalem und sind namentlich gegen die Ausbreitung von Malaria und. Trachom tätig. Zahlreich sind die hebräischen Druckschriften, die in Palästina erscheinen, "enrere Verlagsinstitute wurden gegründet, in allen Städten und Kolonien entstehen Bibliotheken, Lesesäle, Diskutierklubs usw. Die zionistische Organisation gründet einen Jüdischen Kulturfonds zur Unterstützung der kulturellen Anstalten in Palästina und beschließt am elften Zionistenkongreß 1913 die Schaffung einer Hebräischen Universität in Jerusalem, für welcts die Vorarbeiten eingeleitet werden. ßie Kreditfrage findet eifrigste Beachtung. Die Zahl der Kreditgenossenschaften mit Solidarhaftung, die von der Jüdischen Palästina-Bank gegründet Heft 3. 7