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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 9 · p. 618

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 9
Article
Arnold Zweig
Date
1917-01-01
Page
618 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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6x8 Gustav Krojanker: lichkeit und — ein künstlerischer Fehler. Denn woran es diesem Sohn, der gleichzeitig Referent des Ganzen ist, gebrechen soll — etwa an der Freude zum schönen Spiel, der Kraft dazu und der Fähigkeit zu etwas blauem Dunst — der Autor hat es in reichstem Maße. Daraus entsteht ein Widerstreit, der der Darstellung ihren letzten inneren Ernst nimmt. Ich glaube diesem Referenten, wie wir ihn sehen sollen, den ersten Teil, in dem er knapp und sachlich die Humusschicht malt, aus der er erwachsen ist. Von dem zweiten Teil hingegen hege ich den dringenden Verdacht, daß der dramatische Vater ihn geschrieben hat. Von ihm scheint mir das Behagen zu stammen, mit dem er an sich selber herumpinselt; von ihm das freudige und unerquickliche Verweilen bei allerhand moralischen Perversionen; von ihm die Sucht eines jugendlichen Autors, möglichst alles zu sagen; von ihm endlich die spielerische Freude an Details. Die Aufzeichnungen des Sohnes hätten anders ausgesehen: karger, schneidender und (trotz allem) entrückter. Die historisch-philologische Forschung leugnet also die Autorschaft des Sohnes und macht damit einen wesentlichen Einwand gegen den zweiten Teil der Darstellung. Nichtsdestoweniger bleibt der Vater. An dem muß in sich gelitten haben, wer ihn so haßvoll und im wesentlichen wahr darzustellen vermochte. Der Sohn fahre dahin: auch das genügt schon. Ja, so sieht unser Anfang aus. Arnold Zweig ist nicht der einzige, nicht einmal unter den Schreibenden; zu schweigen von den Ungezählten, die nicht schreiben, sondern nur möchten. Eine künftige Literaturgeschichte wird festzustellen haben, daß wir den umgekehrten Weg gehen. Es wendet sich einer, da er beginnen soll, in Erinnerung zurück und verkündet als Resultat seiner Rückschau: Entsagung und Verneinung. Für gewöhnlich das Kennzeichen betagter Dichtergreise; bei uns Sturm und Drang. Ein Stürmer . . . nicht gegen die Welt, sondern gegen sich selbst. Aber gerade die Entschiedenheit dieses Nein macht Hoffnung; es kann zur Überwindung und zum Aufstieg führen. Indes bleibt der Fall zweifelhaft. Es kann auch (wie die Wirklichkeit so vieler von uns lehrt) ein sehr bequemes und achselzuckendes Ja werden. Und was dann herauskommt, ist etwa .. . ein neuer Mann in den Zeitschriften der Intellektuellen. Einer, der peinlich wissend Erkenntnisse sonst eines Lebens für wenige gleicher Art in gedrängte Sätze bringt; mit müheloser Technik, spielerisch und ohne letzten Ernst: es ist ja alles gleich. Einer, der in allen Sätteln gerecht ist und , in keinen gehört; dessen Urteil immer gescheit und der doch zu keinem berufen ist. Der vielleicht eines Tages, der herrenlosen Güter des Geistes überdrüssig, sich auf neu drapiert und mit viel Lärm etwa auf die Tat stürzt, ohne jedoch im unermeßlichen Komplex ihrer Möglichkeiten das Gebiet wie selbstverständlich in sich zu tragen, wo es für ihn gälte, Hand anzulegen. Das sind so Möglichkeiten. Noch ist unser Fall unentschieden. Aber wie er sich auch wendet: uns haften diese kurzen hoffnungsvollen Seiten, auf denen einer unvergeßlich und bleibend seine, unsere Geschichte malte. * * * Die Novellen um Claudia liest man, ohne abzusetzen, in einem Zuge; erhebt sich danach wie im Traum, geht langsam zum Flügel, und unter leisen, ein wenig schwermütigen Klängen schreitet man noch einmal durch die kostbaren, geschmackvollen Räume des Hauses Eggeling und spricht im Schreiten mit ihren schwierigen und durchdachten Bewohnern über Dinge eigensten Inter-

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