Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 614 (sequence 7)
- Language
- German
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6i4 Abraham Korkis: nungsfürsorge u. dgl. wird die Tätigkeit der genannten Organisation zunächst für1 cffe weiteste Verbreitung und Verallgemeinerung der Volksschulbildung unter den Juden Galiziens zu wirken haben. Diesbezüglich dürfte die Tätigkeit der Baron Hirsch-Schulstiftung als aneiferndes Beispiel gelten. Ferner wird es notwendig sein, darauf hinzuarbeiten, daß die jüdische Jugend, statt die Mittelsciii^n/nameritlich die Gymnasien zu überfüllen, in die praktischen Fachschulen, in die allgemeinen Gewerbeschulen, in die Spezialfachschulen zu möglichst vielseitiger Benützung der verschiedenen Fächer gelenkt werden. Dies wird durch ausgiebige Subventionen, Stipendien und sonstige Unterstützungen erzielt werden können. Erforderlichenfalls wären Schritte einzuleiten, um besondere technische Mittelschulen (etwa nach Art solcher in Deutschland bestehenden Anstalten z. B. des'Technikums Mittweida) oder Handwerkerschulen ins Leben zu rufen. . Den der Schule entwachsenen Personen müßte Gelegenheit geboten werden, werm sie in einem Gewerbe tätig sind, sich entsprechend beruflich fortzubilden. Die' Lehrlingsfürsorge, die Errichtung und Erhaltung von Lehrlingshorten und Lehrlingsheimen, wäre in den Kreis der Aufgaben jener Organisationen zu ziehen. Die von dem Wiei-er Hilfsverein angeregte Schaffung und Förderung von Hausindustrien sollte nicht ganz aufgegeben, sondern in zweckmäßiger Weise (etwa durch eine im Lande selbst tätige Verlagsindustrie) reformiert werden. Däs Assoziationswesen unter den jüdischen Gewerbetreibenden wäre in energischer Weise zu betreiben und zu fördern. Die kreditorganisatorische Tätigkeit der J.CA, sollte mit Hilfe größerer finanzieller Mittel entsprechend ausgestaltet und erweitert werden. Die technische Förderung der gewerblichen Tätigkeit der Juden wird zu den vornehmsten Aufgaben jener Organisation gehören müssen. Eine intensive Beteiligung der jüdischen Gewerbetreibenden an den von den bereits genannten Faktoren im Lande veranstalteten Fachkursen sollte durch geeignete Propaganda, eventuell durch Stipendien bewirkt werden. Die von den öffentlichen Faktoren zu erwirkende teilweise Überlassung oder eventuell unmittelbare Beistellung von Maschinen und sonstigen Arbeitsbehelfen, die Ermöglichung gemeinsamer Verwertung mechanischer oder elektrischer Betriebskraft, überhaupt die Steigerung des Betriebseffektes durch rationelle Anwendung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit und durch Anpassung an die Forderungen des technischen Fortschrittes — alle diese Mittel können zur ökonomischen und sozialen Hebung des Gewerbes der Juden in bedeutendem Maße beitragen. Um die Überleitung der Juden in die verschiedenen Gewerbe und Industriegruppen zu fördern, wird es eines gut organisierten Arbeitsnachweises bedürfen. Auch die Fürsorge für die Arbeiter durch Errichtung von Arbeiterheimen dürfte diesem Zwecke dienlich sein. In geeigneter Weise wäre das Interesse und das Verständnis jüdischer Kapitalisten und Industrieller für die Verwendung jüdischer Kräfte in ihren Unternehmungen zu wecken, um die Arbeit der Juden vielseitiger zu machen und zu differenzieren. Was den Handel betrifft, so wird es auf den ihm überlassenen Betätigungsfeldern analoger erzieherischer und vorbereitender Maßnahmen bedürfen, um d*e Juden in dessen höhere Formen überzuführen. Die Hinlenkung in allgemeine und eventuell spezielle Handelslehranstalten, die Sorge für die Heranbildung eifleS