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Der Jude · 1922-01-01 · Heft 9 · p. 589

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 9
Article
Ein Kongress der deutschen Juden
Date
1922-01-01
Page
589 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Ein Kongreß der deutschen Juden 589 waren an dem Auge der Welt wirkungslos vorbeigegangen. Jetzt, als ein Opfer des Krieges, sind die Ostjuden unzweifelhaft charakterisiert als eines jener Völker, deren Lebensrechte unter der bisherigen Auffassung von dem Recht des Stärkeren vergewaltigt waren, Wohl mischten sich in die neuentstandenen Sympathien politische Absichten, aber zweifellos lag in den Hilfsaktionen, die in England, Amerika und Italien ins Werk gesetzt wurden, ein echter Niederschlag der allgemeinen Stimmung. So wie die französische Revolution den Gedanken der Emanzipation aller Bürger gebracht hat, hat der Weltkrieg den Gedanken der Emanzipation aller Völker geboren. In Rußland wirkte dieser Gedanke umstürzend auf die ganze Stellung, die bisher das russische Volk gegen die Juden eingenommen hatte. Rußland, der Staat der tiefsten Judenknechtung, war der erste, der in seiner Neugestaltung das Prinzip der Freiheit aller Völker auch auf die Juden anwandte. Die russische Revolution hat die russischen Juden befreit, nicht nur in ihrer Eigenschaft als Bürger des Staates, sondern auch das Volk als Mitglied der Gesellschaft der Nationen. In dem Geiste der russischen Revolution nahmen die russischen Juden ihre Befreiung auch ganz anders entgegen, als es vor hundert Jahren die deutschen Juden getan haben. Sie sahen in ihrer Freiheit nicht das Gegengeschenk für die Aufgabe ihres Volkstums, sondern erkannten die Pflicht, nunmehr diese Freiheit in den Dienst des ganzen jüdischen Volkes zu stellen. Die Befreiung, die sie selbst erfahren hatten, sollte der Ausgangspunkt der Befreiung des ganzen jüdischen Volkes werden. In Rußland und Amerika, wo Massen des jüdischen Volkes wohnen, wurden sie entflammt von dem Gedanken, dem jüdischen Volke auf der ganzen Welt die Möglichkeit freier Entwicklung zu geben. Die Voraussetzung dieser Freiheit war die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, die Sicherung der kulturellen Entwicklung der jüdischen Massen und eine ungehemmte Kolonisation von Juden in Palästina. Diese Ideen, die die einmütige Zustimmung der führenden Völker der Entente fanden, erfaßten die Mehrzahl der Juden in all diesen Ländern. Es war mit einem Schlage eine einheitliche jüdische Stimmung in Rußland, England, Italien und Amerika geschaffen, die stürmisch verlangte, daß auch das jüdische Volk auf dem kommenden Friedenskongreß <*ine Vertretung finde, die seine Forderungen vorzutragen und durchzusetzen vermag. In Amerika fand diese Stimmung zuerst organisatorischen Ausdruck in der Einberufung eines jüdischen Kongresses. Die Bewegung, die diesen Kongreß organisierte, ging zunächst von den jüdischen Massen aus. Sie griff immer weiter um sich und erfaßte auch diejenigen Kreise, die bisher in der jüdischen Politik das Prinzip der Zerstreuung und Auflösung gestützt hatten. Nach anfänglichen Kämpfen wurde für den Kongreß einmütig ein Programm aufgestellt, das die drei Forderungen als Forderungen des jüdischen Volkes aufstellt. Auch in Rußland ist unter lebhafter Anteilnahme des ganzen russischen Volkes eine Kongreßbewegung entstanden, die dem Kongreß dieselben Aufgaben stellte. Diese Kongresse, die die Übereinstimmung der Juden der stärksten Judenländer feststellen, sollen die Basis bilden für die Forderung, die die gesamte Judenheit auf der Friedenskonferenz vertreten wird. Der Friedenskonferenz werden die Kongresse, wird der Kongreß der Juden aller Länder vorangehen. Er wird die Forderungen für das jüdische Volk, denen die Sympathien der Völker gesichert sind, in dessen eigenen Namen auf-

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