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Der Jude · 1922-01-01 · Heft 9 · p. 583

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 9
Article
Deutschlands Judenpolitik
Date
1922-01-01
Page
583 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Deutschlands Judenpplitik 583 genommen werden. Das gemeinsame Interesse der deutsch-türkischen Kriegspolitik muß es zu verhindern wissen, daß durch derartige Maßnahmen eine feindliche Bewegung hervorgerufen wird, deren Wirkungen für beide Länder weit über den Krieg hinaus sich fühlbar machen werden. Andererseits wird ein wirksamer Schutz der jüdischen Interessen in Palästina dem Deutschen Reiche nicht nur die Sympathien der jüdischen Welt einbringen, die man mehr oder weniger hoch werten kann. Es ist offenbar, daß Deutschland selbst ein politisches Interesse an der Schaffung eines jüdisch-nationalen Zentrums in Palästina unter türkischer Herrschaft hat. Das Aufblühen einer so wichtigen Provinz im Reiche seines Bundesgenossen, wie es in diesem Falle und nur in diesem Falle zu erwarten ist, liegt zweifellos im Sinne der auf eine Stärkung der Türkei gerichteten deutschen Orientpolitik. Je mehr man aber in Deutschland zu der Erkenntnis kommt, wie vorsichtig der deutsche Einfluß in der zukünftigen Türkei zu bewerten ist, wieviel Wasser in den Wein jener ausschweifenden Hoffnungen gegossen werden muß, mit denen leider anfangs viel zu ernst genommene Amateurpolitiker die Köpfe in Deutschland eine Zeitlang 'verwirrt haben, umso wichtiger ist es für Deutschland, die realen Faktoren zu finden, auf die es als wirksame Stützen seines guten Verhältnisses zur Türkei und der politischen und ökonomischen Beziehungen der beiden Länder rechnen kann. Welche Rolle dabei die Juden spielen können, wenn sie sich außer der Türkei auch Deutschland zu Dank verpflichtet fühlen, braucht nicht erst belegt zu werden. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die jüdische Welt heute immer mehr dazu getrieben wird, an eine ganz andere Entwicklung zu glauben, die sie zwingen würde, ihren Dank nicht bei Deutschland abzustatten. Neben der unbefriedigenden Stellungnahme Deutschlands in der palästinensischen Frage trägt hierzu das absolute Stillschweigen der deutschen Regierung in der Frage der rumänischen Juden und in noch stärkerem Maße die Haltung bei, die Deutschland zu den nationalen Bestrebungen der Juden in dem von den Deutschen besetzten Gebiete in Polen und Litauen einnimmt. Wenn man zur Begründung der deutschen Zurückhaltung hinsichtlich Palästinas auf die Schwierigkeiten hinweisen kann, die die Einflußnahme auf einen Bundesgenossen im Kriege immer mit sich bringt, so fällt jeder Entschuldigungsgrund fort, wenn von der Haltung der deutschen Regierung gegenüber den rumänischen und den Ostjuden die Rede ist. Es ist in der Tat schwer zu verstehen, warum die deutsche Regierung so ängstlich zögert, auch nur mit einer Silbe anzudeuten, daß die rechtliche und nationale Gleichstellung der rumänischen Juden ihr als eines ihrer Friedensziele erscheint. Angesichts des Eifers, mit dem sie sich für die Abstellung der Beschwerden der irischen, indischen und Gott weiß welcher exotischen Völker einsetzt, ist ihr Stillschweigen gegenüber der wahrhaftig nicht weniger belegten Unterdrückung der rumänischen Juden höchst sonderbar. Diese abwartende, um nicht zu sagen ablehnende Haltung der deutschen Politik gegenüber den Wünschen und Beschwerden des jüdischen Volkes finden wir in noch ausgeprägterem Maße bei der deutschen Judenpolitik in Polen. Hier steht unbestritten fest und wird von den Deutschen ohne weiteres zugegeben, daß sie die Juden ^ls Nation nicht anerkennen, es sei denn, wie in Litauen, in einer zu nichts verpflichtenden Form; daß sie in Polen ohne jedes Bedenken ihrer Polenpolitik die

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