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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 8 · p. 543

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Ein Weg zur jüdischen Gemeinschaft
Date
1917-01-01
Page
543 (sequence 5)
Language
German
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Ein Weg zur jüdischen Gemeinschaft 543 ki im beruchi". Nicht mit Machtmitteln, sondern durch die emporreißende Kraft vorbildlicher Gemeinschaftsbildung werden wir unsere Zukunft erbauen. Gerade die gewaltige Weite der jüdischen Seele in geschlechtlicher Beziehung wird uns davor bewahren, ob den angeführten Mängeln zu verzweifeln. Offenbart sich doch gerade in den heutigen Tagen jedem sehenden Auge die beherrschende Macht der aufwärtsstrebenden Menschenseele. Es gibt aber nichts Wandelbareres als diese. Freilich kehrt sie nach allen Irrwegen wieder zu Gott zurück. Aber in der entscheidenden Zeit, die jetzt heranbricht, dürfen wir nicht auf Irrwegen sein. Wohl war die jüdische Gemeinschaft auch vor zwei Jahrtausenden auf solchen Pfaden. Und doch hat der Kampf gegen diese Irrwege Gedanken geboren, die noch heute trotz ihrer Verstümmelung das kostbarste Gut des führenden Teiles der Menschheit darstellen. Aber jedes Geschehen hat seine Zeit und geht nur einmal vor sich. Heute noch horcht die ganze Welt den Worten jener jüdischer Männer, die vor zweitausend Jahren die Forderungen der emporstrebenden Menschenseele in unbeirrbarer Reinheit und Klarheit auf ihre Fahne geschrieben haben. Sollte jetzt noch einmal dasselbe versucht werden, so wären es eitle Worte. Denn jetzt gilt es, zu erfüllen. Es gilt den Forderungen unserer Herzen gerecht zu werden und über die ganze Erde hin eine vorbildliche Menschengemeinschaft zu bilden, in der Betätigungswille und Erhaltungstrieb in immer vollkommenerem Einklang die Glieder dieser Gemeinschaft zu Gott führen und auf das innigste miteinander verbinden. Die Gestaltung des Geschlechtslebens ist der Kernpunkt der Gemeinschaftsbildung. Denn darauf beruht die Familie, die im Mittelpunkt dieser Gemeinschaft stehen muß. Darum wollen wir hier den Anfang machen. Aus allem, was hier über diesen Punkt gesagt wurde, geht hervor, daß die Gestaltungskraft des Einzelnen beschränkt und auf keinen Fall imstande ist, den Starrkrampf unserer Gemeinschaft zu lösen. Es ist aber kein Zweifel, daß die jüdische Gemeinschaft zu neuem Leben erwachen wird, wenn ihre Führer ihr Ziele stecken, die in den Herzen aller Emporstrebenden einen mächtigen Widerhall finden. Auf ein solches Ziel sollte hier hingewiesen werden. Ob die Ziele, von denen das angedeutete das wichtigste Beispiel sein sollte, bloß eine Aufgabe oder Sinn und Wesen einer jüdischen Gemeinschaft darstellen, das hängt davon ab, ob wir den alten Glauben von der Einzigartigkeit der jüdischen Gemeinschaft bewahren oder dem gefährlichen Irrtum anheimfallen, sie als eine Nation wie die anderen zu betrachten, die das Hauptgewicht auf das Formale und dessen abschließende Wirkung legen und in erster Linie nach Erweiterung ihrer Macht auslugen. Verfallen wir diesem Irrtum nicht, dann müssen wir in der heutigen jüdischen Gemeinschaft die Schrittmacherin der zukünftigen Menschheitsentwicklung sehen. Das soll keine Überhebung sein, sondern eine Folge der notwendigen Empfindung, daß derjenige die größte und dringlichste Sehnsucht nach Überwindung der Gewalt haben muß, der durch sie am schwersten leidet. Die Abschaffung der Gewalt in den Beziehungen der Gemeinschaften kann für uns jedoch nur eine Hoffnung sein. Schaffen können wir Beziehungen, die nicht auf Gewalt gegründet sind, nur innerhalb unserer Gemeinschaft,zwischen deren Gliedern. Nur so können wir sie zusammenschließen. Nur so können wir aber auch die Teilnahme an unserem Geschick bei dem Besten der nichtjüdischen Welt in einer Weise er-

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