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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 536

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
Date
1921-01-01
Page
536 (sequence 5)
Language
German
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536 Abraham Korkis: Der jüdische Handel vollends leidet an bedenklicher Hypertrophie. Das Mißverhältnis zur gewerblichen Betätigung, das, wie bereits hervorgehoben, im Lande überhaupt besteht, ist bei den Juden geradezu verhängnisvoll geworden. Auf je iooo Berufstätige der Klasse Industrie und Gewerbe entfallen in Österreich überhaupt 435 Handeltreibende, in Galizien 947, bei den Juden Galiziens jedoch 2222, was wohl die Übersättigung dieses Berufes durch die Juden genügend dartun dürfte. Erwägt man ferner, daß die Betätigung der Juden im Handel auch nicht vielseitig ist, sondern sich auf einige Arten beschränkt wie auf den Warenhandel, auf die Transport- und Speditionsgewerbe, auf den Geldverkehr und auf die Gast- und Schankgewerbe, so wird man wohl einsehen, daß die große Zahl der im Handel selbständigen Berufstätigen — mehr als die Hälfte aller in dieser Berufsklasse tätigen Juden — auf eine außerordentliche Anhäufung kleiner Handelsunternehmungen, des Kleinhandels, der Krämerei, der Mäklerei u. dgl., auf eine starke Konkurrenz und auf eine Übervölkerung im Handelsgewerbe hinweist Wenn wir nun die Verhältnisziffern, die sich auf die soziale Gliederung der Juden im Handel und Verkehr beziehen, für die Zählungsjahre 1900 und 1910 vergleichen und finden, daß trotz der Zurechnung der von den Juden doch wohl sehr stark besetzten Gruppe Gast- und Schankgewerbe zur Klasse Handel die Zahl der Selbständigen unter den handeltreibenden Juden so bedeutend, um 157 pro Tausend, zurückgegangen, die Zahl der Tagelöhner jedoch um 34 pro Tausend und die Zahl der mithelfenden Familienmitglieder gar um 120 pro Tausend gestiegen ist, so ist die Annahme berechtigt, daß sich die wirtschaftliche Lage des jüdischen Handels rapid und in hohem Maße verschlechtert hat und daß die Verarmung hier immer mehr um sich greift. Insbesondere kann die große Zahl der in der Klasse Handel und Verkehr ermittelten über 8000 Tagelöhner, die zum größten Teile der Kategorie „Lohnarbeit wechselnder Art", d. i. der bekannten jüdischen Erwerbskategorie der „Luftmenschen" angehören dürften, wie die österreichische statistische Zentralkommision schon bei der Betrachtung der analogen, ziffernmäßig allerdings noch auffallenderen Erscheinung des Volkszählungsjahres 1900 bemerkt, als „Ausdruck des jüdischen Massenelends Galiziens" gelten. So kann die Lage auf Grund der Ergebnisse der Berufszählungen des Jahres 1900 und 1910 beurteilt werden. Diese Gestaltung der Verhältnisse, die Übervölkerung des von den Juden so zahlreich besetzten Handels, dürfte ähnlich wie die Übervölkerung der Landwirtschaft hinsichtlich der polnischen und ruthenischen Bevölkerung, die starke jüdische Auswanderung aus Galizien erklären. Seither hat sie sich noch wesentlich verschlimmert, da durch die inzwischen eingetretene Neuregelung der Gast- und Schankgewerbeberechtigungen nach Erlöschen der Propination in Galizien eine starke Verschiebung in den Erwerbsverhältnissen der Juden eingetreten ist, indem eine große Schar — es dürften etwa 50000 gewesen sein — derjenigen, welche früher das Schankgewerbe ausgeübt hatten, nunmehr dieser Erwerbsmöglichkeit verlustig geworden ist. Auch andere Momente in der Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens der übrigen, polnischen und ruthenischen, Landesbevölkerung, die bereits angedeutete Erstarkung des städtischen Elementes derselben und die damit zusammenhängende Gründung größerer, kapitalsstarker Handelsbetriebe, die Schaffung von umfassenden genossenschaftlich betriebenen Handelsorganisationen einerseits und t Konsumentenorganisationen andererseits haben auf die wirt-

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